Passt mein Job noch zu mir?
Shownotes
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Stella: Ich habe eine Folge angekündigt, in der es darum geht, zu besprechen, ob mein Job noch passt.
Stella: Und so viel vorweg, ich glaube, diese Episode, die wird vielleicht ein bisschen
Stella: anders, als es bei der Frage klingt.
Stella: Wir schauen uns in den nächsten 30 Minuten an, ob diese Frage eigentlich aktuell
Stella: den Raum braucht, den sie vielleicht in der Vergangenheit hatte und wenn ja,
Stella: wie wir sinnvoll mit ihr arbeiten.
Stella: Und zu Gast ist bei mir Jannike Stöhr, Coachin und Autorin.
Stella: Und sie hat sich jahrelang damit beschäftigt, wie Menschen den richtigen Job finden.
Stella: Ich bin Stella-Sophie Wojtczak, Host von t3n Arbeit in Progress.
Stella: Und ich würde sagen, wir legen direkt los. Heute am 30. Januar zeichnen wir
Stella: auf, so viel als Transparenzhinweis.
Stella: Und heute Morgen meldete die Bundesagentur für Arbeit einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen
Stella: auf 3.085.000. Wem das nicht so viel sagt, kurz gefasst ist es ein 12-Jahres-Hoch in Deutschland.
Stella: Das heißt, die Lage am hiesigen Arbeitsmarkt, die dreht sich vielleicht gerade
Stella: so ein bisschen. Und das ist die erste Frage, mit der ich gerne einsteigen möchte.
Stella: Dieses, hey, passt mein Job eigentlich noch zu mir? Erfüllt mich meine Tätigkeit?
Stella: Ist da eigentlich aktuell die richtige Zeit für, sich diese Frage zu stellen?
Jannike: Also ich habe gar nicht so eine ganz klare Antwort dazu, weil ich persönlich
Jannike: habe meinen Job auch aufgegeben.
Jannike: Also ich habe lange als Coach gearbeitet für erfüllte Karrieren und habe mich
Jannike: genau damit beschäftigt.
Jannike: Ich habe Menschen begleitet, genau diese Fragestellung für sich zu beantworten.
Jannike: Und ich für mich habe für mich die Antwort gefunden, dass ich mich anderen Themen widmen möchte.
Jannike: Also ich werde sicherlich coachend noch unterwegs sein und anderen Menschen
Jannike: helfen, erfüllter zu arbeiten.
Jannike: Aber die Frage nach dem richtigen, erfüllenden Job ist für mich persönlich nicht
Jannike: mehr so passend, nicht mehr so ausfüllend, weil ich das Gefühl habe,
Jannike: dass der Arbeitsmarkt sich total gewandelt hat.
Jannike: Ich habe das Gefühl, oder wir alle haben sicherlich das Gefühl,
Jannike: dass wir von vielen Krisen umgeben sind, dass die Energie, die wir so zum alltäglichen
Jannike: Leben haben, zum Arbeiten haben, gedämpft wird durch die vielen Krisen,
Jannike: die wir irgendwie auch mental bewältigen müssen.
Jannike: Also ich habe irgendwie das Gefühl, für mich persönlich ist dieser Raum nicht
Jannike: mehr da, so wie er in den letzten Jahren da war.
Stella: Spannend. Vielleicht für diejenigen, die dich noch nicht so gut kennen.
Stella: Du hast ja unter anderem auch ein Buch darüber geschrieben, dass du 30 Jobs
Stella: getestet hast, um deinen Traumjob zu finden.
Stella: Und ja, nach dieser Testphase hast du dich dann auch als Coachin selbstständig
Stella: gemacht, hast, wie du gesagt hast, Menschen beraten.
Stella: Und wenn du jetzt sagst, hey, für mich hat sich das schon gewandelt.
Stella: Wenn dich heute jemand fragen würde, hey, ich würde auch gerne 30 Jobs testen
Stella: und gerade so meinen Traumberuf finden, würdest du dann sagen,
Stella: hey, vergiss das lieber, die Zeiten sind vorbei?
Jannike: Nein, ich finde es sehr gut, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen,
Jannike: herauszufinden, was man gut kann, was einem wichtig ist, wofür man sich einsetzen will.
Jannike: Nur habe ich auch den Eindruck, dass es noch vermehrt auch um die Frage geht,
Jannike: was kann ich noch machen auf dem Arbeitsmarkt?
Jannike: Also auch KI greift ja um uns und verändert ganz viele Arbeitsplätze oder eigentlich alle Arbeitsplätze.
Jannike: Das heißt, was kann ich noch tun oder wie verändert sich auch die Arbeit und
Jannike: auch wofür möchte ich mich einsetzen? Also ich glaube, die Fragen werden in
Jannike: dem Zusammenhang noch wichtiger als das, was ich vielleicht früher im Fokus
Jannike: hatte. Was macht mir Spaß? Das erfüllt mich persönlich.
Jannike: Also ich finde, dass die Zeiten erfordern, die anderen beiden Dinge mit zu bedenken.
Stella: Das, was du gerade gesagt hast, gerade dieses Thema, das Stichwort Erfüllung.
Stella: Das war ja auch in den vergangenen Jahren immer etwas, was zum Beispiel kritisiert
Stella: worden ist, wo es hieß, hey, das ist doch so eine Gefühlsdoselei.
Stella: Das ist doch eine Art von Naivität. Du brauchst doch keine Erfüllung,
Stella: du bekommst Geld für deinen Job, nicht, du bezahlst Geld für deinen Job, so soll das nicht sein.
Stella: Du bekommst Geld für deinen Job, geh dahin, mach eine gute Arbeit,
Stella: Erfüllung kannst du dir in deiner Freizeit holen.
Stella: Haben jetzt diese KritikerInnen dann quasi plötzlich Recht bekommen mit diesem Zeitgeistwandel?
Jannike: Ich finde persönlich nicht, weil es immer die Frage ist, wie viel Bedeutung
Jannike: messe ich meiner Arbeit bei.
Jannike: Ich zum Beispiel ziehe viel Bedeutung aus meiner Arbeit, mir war das schon immer wichtig.
Jannike: Und für mich wäre es schwer, nach acht Stunden den Stift fallen zu lassen und
Jannike: Geld einzustreichen und das war es dann.
Jannike: Das heißt aber nicht, dass wenn jemand so ist, das schlecht ist.
Jannike: Das ist einfach nur anders.
Jannike: Aber wenn ich jetzt ein Mensch bin, der da viel Bedeutung rauszieht,
Jannike: dann sollte ich dem auch einen Raum geben.
Jannike: Also ich finde immer, dass diese Frage individuell zu betrachten ist.
Jannike: Viele Menschen leiden auch unter ihrer Arbeit, das heißt, sie werden depressiv
Jannike: oder fühlen sich, als ob sie nichts beitragen könnten oder nichts Wesentliches
Jannike: zur Gesellschaft beitragen könnten oder fühlen sich nicht gesehen, nicht gewertschätzt.
Jannike: Es gibt auch ganz schlechte Arbeitsbedingungen, muss man einfach sagen.
Jannike: Und wenn ich darunter leide, in den Burnout gerate, eine Depression bekomme,
Jannike: dann ist auch niemandem geholfen. Also ich finde es schon wichtig,
Jannike: sich zu gucken, wie geht es mir mit meiner Arbeit.
Jannike: Aber die Frage ist eben, in welchem Ausmaß mache ich das und wie viel Energie
Jannike: habe ich auch zur Verfügung, um die Veränderungen, die dafür notwendig sind, einzuleiten.
Stella: Aber was ich mich da frage, als ich zum Beispiel jetzt gestartet bin vor Jahren
Stella: in die Berufswelt, da war der Fokus total auf der Individualisierung.
Stella: Was macht dir Spaß? Du hast es eingangs angerissen.
Stella: Jetzt, für mich ist es wie so ein Pendel, schwingt das plötzlich zurück in,
Stella: sei eher froh, wenn du einen Job hast, die Arbeitslosenzahlen steigen und nimm
Stella: mal ein bisschen mehr dieses Individualverhalten, nimm das mal ein bisschen
Stella: zurück. Was ist denn denn jetzt richtig?
Jannike: Also auch hier kann ich wieder mehrere Antworten geben. Es gibt zum einen so
Jannike: eine Tendenz bei Menschen, dass sie sich in den ersten Jahren ihres Berufslebens
Jannike: eher um sich kümmern, also die Knee-Curve, so wird es genannt, und ab dem 40.
Jannike: Lebensjahr die We-Curve. Das heißt, wir wollen eher dann unser Wissen weitergeben,
Jannike: uns für die Gemeinschaft einsetzen.
Jannike: Also das hat auch mit dem Lebensalter zu tun, einer Person.
Jannike: Und gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass die Bedingungen,
Jannike: in denen wir leben, sich so zuspitzen, verändern,
Jannike: uns gewissermaßen unter Druck setzen, dass vielleicht sowieso eine Veränderung
Jannike: zu dem Gemeinschaftlichen tragender ist für auch den Einzelnen.
Jannike: Das heißt aber auch, also beinhaltet auch, dass ich mich fragen sollte,
Jannike: was kann ich denn beitragen? Worum bin ich denn gut?
Jannike: Was kann ich denn einer Gemeinschaft auch mit Leichtigkeit beitragen,
Jannike: weil es in meiner Stärken, in meinem Stärkenbereich liegt?
Jannike: Was macht mir auch Freude? Also ich finde, diese Fragen sind ja deswegen nicht falsch.
Jannike: Nur ich glaube, dass die Gemeinschaft wichtiger wird in Zeiten wie diesen, in denen wir leben.
Stella: Du hattest auch vorhin einmal gesagt, dass es schon bestimmte Fragen gibt,
Stella: die man sich immer noch stellen sollte. Zum Beispiel die eine Frage für sich
Stella: selber einfach, wie viel Erfüllung brauche ich persönlich?
Stella: Du sagst, ich brauche sehr viel Erfüllung. Jemand anders sagt vielleicht eher,
Stella: okay, im Job brauche ich eher Sicherheit, dass ich weiß, das Gehalt kommt sehr regelmäßig.
Stella: Da kann ich auch mal Erfüllung ein bisschen zurückstellen. Ich möchte das hier
Stella: gar nicht jetzt gegeneinander ausspielen. Das war jetzt einfach nur ein Beispiel.
Stella: Welche Fragen gibt es denn da vielleicht noch aus deiner Sicht,
Stella: die jetzt auch gerade aktuell sind bei der Frage, hey, passt das,
Stella: was ich beruflich tue, zu mir?
Jannike: Also ich würde gerne nochmal einen Ausdruck korrigieren.
Jannike: Ich meine nicht den Grad an Erfüllung, sondern den Grad an Bedeutung,
Jannike: den meine Arbeit für mich hat.
Jannike: Also wenn ich viel Bedeutung meiner Arbeit beimesse, dann ist mir das eben total
Jannike: wichtig, was ich in dieser Zeit mache und kann vielleicht hinterher nicht so
Jannike: gut loslassen oder identifiziere mich halt stark über meinen Job.
Jannike: Also es geht nicht unbedingt um
Jannike: die Erfüllung per se, sondern eher um die Bedeutung, die ich dem beimesse.
Jannike: Welche Fragen sind wichtig? Ich würde sagen definitiv, welche Stärken habe ich?
Jannike: Was fällt mir leicht stärken und was fällt mir leicht bitte
Jannike: zusammen denken da gibt es einen großen unterschied also
Jannike: ich habe den eindruck gewonnen über die jahre oder ich
Jannike: habe das bemerkt dass viele menschen denken ein guter output allein reicht um
Jannike: etwas als seine stärke zu bezeichnen dem ist nicht so wir können uns auch total
Jannike: verausgaben kaputt machen gute ergebnisse erzielen aber absolut keine freude
Jannike: dabei empfinden dann haben wir vielleicht etwas gut gelernt aber es macht uns nicht Freude,
Jannike: wir machen es nicht mit Leichtigkeit. Und es gibt Dinge, die wir...
Jannike: Die uns leicht von der Hand gehen. Und wir sollten eben das finden,
Jannike: was in uns liegt oder was aus uns herauskommt, weil das viel Einfluss hat auf,
Jannike: wie fühle ich mich eigentlich mit der Arbeit.
Jannike: Dann ist auch wichtig, was ist mir wichtig? Also wofür möchte ich mich einsetzen?
Jannike: Thema Sinn, Thema Werte.
Jannike: Bedürfnisse, finde ich, gehören da auch zu.
Jannike: Also wenn ich zum Beispiel ein Mensch bin, der nicht so gut mit Lärm umgehen
Jannike: kann, vielleicht eher introvertiert ist, nicht so viele soziale Kontakte verkraften
Jannike: kann an einem Tag und ich sitze dann in einem Callcenter, dann habe ich einfach
Jannike: ein Problem, dann leide ich darunter.
Jannike: Das ist einfach, widerspricht meinen Bedürfnissen. Das heißt,
Jannike: welche Werte habe ich, was stiftet mir Sinn, welche Bedürfnisse habe ich?
Jannike: Und was ich dann noch als E-Tüpfelchen draufsetzen würde, ist sozusagen,
Jannike: was interessiert mich eigentlich? Aber da sind wir dann schon in dem Bereich
Jannike: nah an dem, was muss es eigentlich oder wie muss es aussehen, um perfekt zu werden.
Jannike: Also das würde ich als i-Tüpfelchen noch mit reingeben, muss aber nicht sein, aus meiner Sicht.
Stella: Ich habe mich bei der Recherche auch gefragt, wie viel Unbequemes muss ich eigentlich
Stella: in einem Job aushalten? Also es geht einem nicht alles leicht von der Hand.
Stella: Manche Sachen machen mir auch ehrlich gesagt vielleicht mal keinen Spaß.
Stella: Heißt das dann schon, okay, ich bin hier falsch oder muss ich da auch irgendwie mal durch?
Jannike: Also ich kann ja ganz offen sagen, ich habe zehn Jahre jetzt selbstständig gearbeitet
Jannike: und mir hat definitiv nicht alles Spaß gemacht.
Jannike: Buchhaltung, Steuer, you name it.
Jannike: Das heißt, zu einer erfüllenden Tätigkeit werden sicherlich auch Tätigkeiten
Jannike: gehören, die uns nicht so liegen, die uns nicht so Spaß machen.
Jannike: Das finde ich aber auch gar nicht weiter schlimm, wenn man den Sinn hinter dem, was man tut, erkennt.
Jannike: Also ich habe nie daran gezweifelt oder irgendwie gedacht, das will ich jetzt
Jannike: nicht machen, sondern ich hatte immer diesen ganz großen Antrieb,
Jannike: warum ich das eigentlich tun möchte und warum ich auch bereit bin,
Jannike: das eben zu tun, was mir nicht liegt, aber was eben auch dazugehört.
Jannike: Also, was will ich damit sagen? Ich glaube, bei jedem Job gibt es etwas,
Jannike: was nicht 100 Prozent ideal ist.
Jannike: Und dann ist aber die Frage, erkenne ich genug Sinn dahinter,
Jannike: also hinter dem großen Ganzen, wofür ich mich einsetze, sodass das dann auch
Jannike: gar nicht mehr so relevant ist? und zweitens, wie bin ich eigentlich in meiner Gestaltungskraft?
Jannike: Das heißt, wie bin ich eigentlich bereit, auch hinzugucken und den Rahmen an
Jannike: dem, was ich verändern kann, auch zu nutzen?
Jannike: Das habe ich auch mit ganz vielen Menschen, die ich begleitet habe,
Jannike: gemacht, immer zu gucken, okay, es ist jetzt vielleicht gerade nicht gut,
Jannike: aber was kann ich an kleinen Dingen verändern, damit es besser wird?
Jannike: Und ich glaube, dass am Ende des Tages wichtig ist, dass man...
Jannike: Und nicht, dass es einem nicht schlecht geht. Also man kann phasenweise,
Jannike: muss es einem nicht gut gehen, aber zumindest nicht schlecht.
Jannike: Und vor allen Dingen nicht über einen längeren Zeitraum sollte es einem schlecht gehen.
Jannike: Und dann immer zu gucken, was kann ich verändern in diesem Setting und was muss
Jannike: ich noch klären, was darf ich vielleicht auch ansprechen.
Jannike: Und dann kann man immer noch gucken, okay, braucht es größere Veränderungen,
Jannike: wenn das mich wirklich runterzieht oder man merkt, es passt überhaupt nicht
Jannike: zu mir, also ich kann dir gar nichts beitragen, also dann finde ich es schon
Jannike: wichtig, da hinzugucken, definitiv.
Stella: Es geht ja dann auch in die Richtung, du hast einmal den Sinn angesprochen,
Stella: den muss ja jeder für sich auch selbst definieren, natürlich auch schauen,
Stella: welchen Sinn hat vielleicht die Organisation, für die ich tätig bin.
Stella: Aber was ich mich da frage, wie kann ich denn eigentlich auch differenzieren
Stella: zwischen, Hey, dass ich gerade unmotiviert bin, dass ich so irgendwie nicht
Stella: so richtig reinkomme und mich frage, hey, passt das hier alles noch?
Stella: Liegt das an meinem Job, liegt das an meinem Arbeitgeber oder liegt das vielleicht
Stella: auch an mir, weil ich meine Einstellung hinterfragen muss?
Stella: Hast du da vielleicht noch ein paar Sachen, die man sich in solchen Situationen selber fragen kann?
Jannike: Ich würde eher gucken, wenn ich keine Lust habe, wenn ich nicht motiviert bin,
Jannike: geht mir das in anderen Bereichen auch so. Also wo habe ich diese Unlust?
Jannike: Und ich glaube, dass wenn man die auch im Privaten hat, dass man dann schon
Jannike: nochmal genauer hingucken sollte auf die mentale Gesundheit.
Jannike: Also wie geht es mir eigentlich mental gesehen und dann sich gut um sich selbst zu kümmern.
Jannike: Also das wäre der erste Schritt aus meiner Sicht. Ich würde dann gucken,
Jannike: was kann ich erstmal für mich tun, abseits der Arbeit, früher ins Bett gehen,
Jannike: gut ernähren, also wirklich gut um sich selbst zu kümmern und dann zu gucken, verändert das was.
Jannike: Also das wäre jetzt so mein erster Test, den ich mal machen würde,
Jannike: wenn es quasi flächendeckender ist, da gut für mich selbst zu sorgen und im
Jannike: nächsten Schritt dann anzusetzen an den Dingen, die mich im Arbeitskontext stören
Jannike: und da für Veränderung zu sorgen.
Stella: Worüber wir noch gar nicht gesprochen haben, ist so der Punkt Werte.
Stella: Also Unternehmen haben Unternehmenswerte, ich selber als Individuum Werte.
Stella: Was ist eigentlich mit dem Thema, welche Werte vielleicht nicht verhandelbar
Stella: sind? Sollte ich mir da auch drüber Gedanken machen, gerade wenn wir nochmal
Stella: auf das Thema Sinn gucken?
Jannike: Finde ich ganz, ganz wichtig. Also ich habe mit den Menschen,
Jannike: die ich begleitet habe, immer so die Top-5-Werte definiert und ich kenne viele,
Jannike: die das einfach schon gemacht haben. Es gibt ja wahnsinnig viele Übungen dazu, auch im Netz.
Jannike: Also das zu machen, finde ich total wichtig. Und wenn mir Ehrlichkeit wichtig
Jannike: ist und ich arbeite in einem Unternehmen, das einfach unehrlich ist,
Jannike: dann wäre das, finde ich, so ein Verstoß gegen die eigenen Werte,
Jannike: dass es mir wahrscheinlich auf Dauer damit nicht gut geht.
Jannike: Also da würde ich schon gucken, was für mich persönlich wichtig ist.
Jannike: Und für mich, also das ist sehr individuell.
Jannike: Und da aber zu gucken, wo möchte ich keine Abstriche machen?
Jannike: Und dann aber auch den Mut zu haben, in Gespräche zu gehen. Man muss ja nicht
Jannike: sagen, jetzt wurde der Wert einmal gebrochen, jetzt kündige ich,
Jannike: sondern in Gespräche zu gehen.
Jannike: Viele Unternehmen haben auch Werte auf ihren Webseiten stehen,
Jannike: die werden da aber nicht gelebt.
Jannike: Also finde ich auch eine spannende Diskussion, wenn ein Mitarbeiter sagt,
Jannike: ich nehme wahr, das, was hier auf der Webseite steht, wird gar nicht gelebt.
Jannike: Wie stehen wir eigentlich dazu?
Jannike: Also da auch Gespräche anzustoßen, finde ich auch spannend.
Stella: Was ich mich aber bei dem Punkt Werte auch frage, wenn ich an unseren Gesprächseingang zurückdenke,
Stella: ist das nicht gerade ein Punkt, der extrem wichtig ist, in dem,
Stella: was wir um uns herum erleben, wenn wir uns fragen, welche Fragen sind sinnvoll,
Stella: ist dann nicht gerade auch das Thema Werte,
Stella: vielleicht abgesehen von Ehrlichkeit auch demokratische Werte nochmal im Fokus
Stella: zu nehmen, ist das nicht gerade was, was immens wichtig ist?
Jannike: Ja, finde ich auf jeden Fall. Und für mich ist das auch so.
Jannike: Und gleichzeitig gibt es ja so viele Probleme in dieser Welt,
Jannike: so viele Krisen in dieser Welt, dass wir auch da sagen könnten,
Jannike: du kannst dich eigentlich um alles kümmern.
Jannike: Und auch da, finde ich, braucht es wieder eine Differenzierung oder eine Individualisierung.
Jannike: Eben, was ist für mich persönlich besonders wichtig oder das Wichtigste.
Jannike: Und nicht jeder hat die Kraft, sich um die Erhaltung der Demokratie zu kümmern.
Jannike: Und das finde ich irgendwie schwierig, fast das zu sagen, weil es so wichtig
Jannike: ist. Und gleichzeitig erlebe ich das aber in der Begleitung von Menschen.
Jannike: Manche haben diese Reserven überhaupt nicht dazu. Die müssen erst mal gucken,
Jannike: dass sie ihren eigenen kleinen Radius stabil halten.
Jannike: Und da finde ich das auch eben legitim zu sagen, okay, was ist für mich persönlich
Jannike: wirklich wichtig, was möchte ich beitragen?
Jannike: Ich finde, diese gesellschaftliche Relevanz hat auf jeden Fall,
Jannike: gewinnt immer mehr an Wichtigkeit und Notwendigkeit, Dringlichkeit.
Jannike: Also je mehr Menschen sich da einsetzen können, ich befürworte das.
Jannike: Und ich habe früher sehr auf mich geschaut, würde ich sagen,
Jannike: auf meine persönliche Erfüllung. immer aber mit dem Gedanken,
Jannike: auch was zurückzugeben, was Positives in der Welt zu bewirken.
Jannike: Aber ich habe für mich zum Beispiel jetzt die Antwort gefunden,
Jannike: dass diese persönliche Erfüllung für mich nicht mehr ausreichend ist,
Jannike: an dem, was ich beitragen möchte.
Jannike: Ich möchte an grundlegenderen Dingen arbeiten.
Jannike: Also Demokratie zum Beispiel ist was, wo ich denke, ja, da muss man eigentlich
Jannike: ran. Also da möchte ich eigentlich auch gerne was tun.
Jannike: Aber ich finde, dass die Frage ist, wie viel kann ich auch rausgehen und wie
Jannike: viel verkrafte ich auch, weil ich finde,
Jannike: dass es ja herausfordernd ist, auch diesen Krisen so direkt ins Gesicht zu gucken
Jannike: und sich auszumalen, was könnte passieren eigentlich, wenn es so weitergeht
Jannike: oder wenn die Entwicklungen vielleicht noch sich zuspitzen.
Jannike: Und ich will damit wirklich nicht sagen, dass man die Augen verschließen sollte,
Jannike: sondern dass man genau gucken sollte, was kann ich in diesem Moment wirklich
Jannike: realistisch gesehen leisten.
Jannike: Und je mehr Menschen, glaube ich, gut für sich selbst sorgen,
Jannike: desto mehr Menschen haben auch Kraft, sich für diese elementaren Dinge einzusetzen.
Stella: Und jeder Mensch hat ja auch eine bestimmte Menge, sage ich jetzt mal,
Stella: an Energie zur Verfügung.
Stella: Manche stecken vielleicht besonders viel in die Arbeit und andere dann vielleicht
Stella: auch, was heißt weniger in die Arbeit, aber wollen auch Energie haben für das
Stella: Leben um die Arbeit drumherum, zum Beispiel auch für gesellschaftlichen Einsatz etc.
Stella: Ist das nicht vielleicht auch etwas, was so ein bisschen jetzt zu dem Zeitgeist
Stella: passt, dass manchmal auch sowas wie, hey, ja, ich mache meinen Job und ich mache
Stella: ihn gut, aber ich brauche gerade gar nicht dieses,
Stella: viel da drumherum, das Erfüllende, dass meine Bedürfnisse, natürlich,
Stella: Bedürfnisse sollten immer abgedeckt sein, aber dass man da guckt, hey, okay,
Stella: vielleicht gebe ich 60% meiner Energie in den Job und das ist gerade fein,
Stella: weil die anderen 40% investiere ich vielleicht in was anderes.
Jannike: Ja, ich finde sowieso, dass wir nicht nur auf Erwerbsarbeit schauen dürfen,
Jannike: sondern auch, was mache ich drumherum?
Jannike: Erziehe ich Kinder, pflege ich Eltern, setze ich mich anders für die Gemeinschaft ein?
Jannike: Also das, finde ich, darf man mit einbeziehen in die Überlegung,
Jannike: was gebe ich eigentlich für die Gesellschaft?
Jannike: Und gleichzeitig gibt es ja diesen Spruch, andere zerstören die Welt in Vollzeit.
Jannike: Da reicht es vielleicht auch nicht, dann halt im Privaten das als Freizeit zu betreiben.
Jannike: Also zumindest nicht, wenn alle so denken würden. Also ich glaube,
Jannike: es braucht immer mehr Menschen, die sich Vollzeit auch mit den relevanten Zeitthemen
Jannike: oder Themen dieser Zeit auseinanderzusetzen.
Jannike: Das glaube ich schon, dass die Notwendigkeit steigt, dass da immer mehr Menschen
Jannike: auch im Job sich für Themen engagieren.
Stella: Ja, jetzt wollte ich das eine, was du so gesagt hast, quasi am Rande hast du
Stella: angemerkt, dass du ja auch jemand bist, der immer sehr individual getrieben
Stella: war, auch mit Blick natürlich auf die Gesellschaft,
Stella: aber dennoch, dass du ja auch gerade bei dir merkst, dass sich da einfach viel
Stella: wandelt, wo du dich darauf fokussieren möchtest.
Stella: Und was ich mich da gefragt habe, ob das nicht gerade generell auch vielleicht
Stella: auch eine Art von Zeitgeist ist, nachdem viel im beruflichen Leben in der Vergangenheit
Stella: geschaut wurde, gerade in den vergangenen zehn Jahren vielleicht,
Stella: hey, was macht mir Spaß, was möchte ich?
Stella: Wir haben darüber jetzt ausführlich gesprochen, dass es vielleicht auch eine
Stella: Chance ist, jetzt wieder mehr Teams und Zusammenhalt bei der Arbeit und natürlich
Stella: auch drumherum in den Fokus zu nehmen.
Jannike: Ich hoffe, ich hoffe das sehr, dass wir Stärkung erfahren durch Teams,
Jannike: die uns tragen, durch Gemeinschaften, in denen wir etwas beitragen,
Jannike: in denen wir uns aufhalten, von denen wir unterstützt werden auch.
Jannike: Es ist ja nicht immer nur geben, sondern auch nehmen.
Jannike: Immer wenn wir zusammenkommen, ist es ja beidseitig, idealerweise.
Jannike: Also ich hoffe, dass das immer wichtiger wird, beziehungsweise,
Jannike: also ich habe auch den...
Jannike: Also nochmal anders angefangen. Ich werde ja dieses Jahr 40,
Jannike: deswegen kann es auch einfach sein, dass ich mich jetzt auf der We-Curve befinde,
Jannike: also dass ich meine Me-Curve schon abgearbeitet habe. Das kann sein.
Jannike: Gleichzeitig nehme ich aber wahr, dass viele die Themen oder die Krisen,
Jannike: die es aktuell gibt, als so bedrohlich empfinden, dass sie schon was tun wollen.
Jannike: Also ich glaube, es ist nicht nur etwas Individuelles, was jetzt mich betrifft,
Jannike: sondern ich würde schon sagen, dass immer mehr Menschen die Notwendigkeit sehen, da was zu tun.
Jannike: Und wenn das dann durch Teams und Gemeinschaft und Zusammenhalt und Verbundenheit
Jannike: getragen wird, umso besser.
Stella: Lass uns doch zum Ende dieses Podcasts noch ein bisschen, sagen wir mal,
Stella: was Schönes im Ausblick haben. Oder vielleicht auch nicht.
Stella: Jetzt habe ich das schon so geprimed, das wollte ich gar nicht.
Stella: Und zwar würde ich dich gerne fragen, wenn du so auf die Arbeitswelt in fünf
Stella: Jahren guckst. Also Ausgangspunkt jetzt, wir hatten eine Phase mit hoher Individualisierung,
Stella: wir haben jetzt eine Phase mit mehr Verunsicherung, vielleicht auch wieder mehr
Stella: Gedanken, Gott sei Dank, ich habe einen Job in fünf Jahren.
Stella: Wenn du jetzt so schnipsen könntest und sagen könntest, so würde ich mir da
Stella: die Arbeitswelt wünschen, wie würde sie dann aussehen?
Jannike: Puh, große Frage, um sie so spontan zu beantworten, aber ich versuche es mal.
Jannike: Also ich würde mir wünschen, dass wir alle einen Umgang mit KI gefunden haben,
Jannike: weil ich glaube, daran kommen wir nicht vorbei und ich wünsche mir,
Jannike: dass jeder sich diese Fähigkeiten aneignen kann und dass wir sie integrieren
Jannike: können in die Jobs, die wir machen.
Jannike: Und dann, dass wir die Arbeitszeit oder die Energie, die wir aufwenden,
Jannike: für die wichtigen Dinge wirklich aufwenden.
Jannike: Das würde ich mir wünschen und dass wir mehr aufeinander schauen.
Jannike: Und genau, ich glaube, das trifft auch ganz gut, was wir heute besprochen haben,
Jannike: dass das schöne Entwicklungen in dem Ganzen sind, wo wir gerade drinstecken.
Stella: Ich würde sagen, kein ganz optimistisches Schlusswort, ein vielleicht realistisch
Stella: neutrales, Aber was ich dich gerne noch zum Abschluss dann auch wirklich fragen würde,
Stella: welche Fragen sollten sich denn Menschen in der Berufswelt jetzt gerade stellen,
Stella: die eben die nächsten Jahre positiv mitgestalten?
Jannike: Also ich finde unbedingt, sich die Frage stellen, wie geht es mir mit meiner
Jannike: Arbeit und den Gestaltungsspielraum, den sie haben, zu nutzen.
Jannike: Finde ich wichtig, auch wenn wir darüber geredet haben, dass es vielleicht nicht
Jannike: mehr das oberste Ziel ist, erfüllt zu arbeiten.
Jannike: Aber ich finde trotzdem wichtig, zu gucken, wie kann es mir gut mit allem gehen
Jannike: und wie kann ich gut für mich sorgen. Finde ich super wichtig.
Jannike: Und zweite Frage, wofür möchte ich mich einsetzen? Auch wenn ich nicht die Welt
Jannike: verändern kann, aber wie kann ich in meinem Wirkkreis Veränderung erzielen und
Jannike: für welches Thema möchte ich das tun?
Jannike: Die beiden Fragen würde ich gerne mitgeben.
Stella: Zwei kompakte Fragen zum Abschluss dieses Podcasts und damit danke ich dir sehr
Stella: herzlich, dass du bei T3 in Arbeit in Progress zu Gast gewesen bist.
Jannike: Danke dir, Stella.
Stella: Und ich würde sagen, ihr schaltet einfach in der nächsten Woche wieder ein und
Stella: zwar sprechen wir dann, dann machen wir einen ganz harten Themenschwung.
Stella: Wir sprechen dann über Künstliche Intelligenz im Recruiting,
Stella: nämlich was Unternehmen da bei der Nutzung beachten sollten.
Stella: Zu Gast ist die Wirtschaftsprofessorin Claudia Bünthe.
Stella: Und damit ihr das nicht verpasst, macht ihr folgendes, ihr klickt auf Abonnieren
Stella: im Podcast Player euer Wahl, lasst auch gerne eine Bewertung da und schreibt
Stella: natürlich euer Feedback an podcast.t3n.de.
Stella: Ich freue mich, wenn ihr nächste Woche wieder dabei seid. Auf Wiederhören!
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