L’Oréal: Was bringt die Zukunft mit KI?

Shownotes

Premiere bei t3n Arbeit in Progress: Erstmals gibt es eine englischsprachige Folge. Arooj Humayun, Chief Information Officer bei L’Oréal für die DACH-Region gibt im Interview mit Host Stella-Sophie Wojtczak Einblicke zur KI-Einführung in dem globalen Unternehmen.

Im Mittelpunkt steht ein Drei-Schritte-Modell aus Awarness, Schulung und aktiver Nutzung, das bei L’Oréal zentral ist. Humayun erklärt außerdem, warum sich L’Oréal für ein GPT-Modell von OpenAI als Basis für die eigene KI-Lösung entschieden hat. Dazu teilt er Nutzungsbeispiele für KI-Chatbots und KI-Agenten und spricht über die Entwicklung von Jobs im Konzern.

Eine deutsche Übersetzung gibt es im Transkript.

Hinweis: Dieser Podcast wird von einem Sponsor unterstützt. Alle Infos zu unseren Werbepartnern findest du hier.

///

A first for t3n Arbeit in Progress: this is the first English-language episode. Arooj Humayun, Chief Information Officer at L’Oréal for the DACH region, shares insights into the roll-out of AI within the global company in an interview with host Stella-Sophie Wojtczak.

The focus is on a three-step model comprising awareness, training and active use, which is central to L’Oréal’s approach. Humayun also explains why L’Oréal opted for a GPT model from OpenAI as the basis for its own AI solution. He shares examples of how AI chatbots and AI agents are being used and discusses the evolution of roles within the group.

A German translation is available in the transcript.

Note: This podcast is supported by a sponsor. You can find all the information about our advertising partners here.

Transkript: WEBVTT

00:00:13.000 --> 00:00:55.000 Stella: Einen kurzen Hinweis zum Start dieser besonderen Episode von t3n Arbeit in Progress. Wir haben heute erstmals, es ist wirklich eine Premiere, einen englischsprachigen Gast bei uns im Podcast, nämlich Arooj Humayun, CIO von L’Oréal. Und er gibt uns einen Einblick in die KI-Einführung in dem globalen Unternehmen, wird super spannend. Aber es ist eben was Neues, weil wir werden diesen Podcast komplett auf Englisch machen. Die Übersetzung auf Deutsch findet ihr natürlich im Transkript, also könnt ihr auch gerne nachlesen. Und jetzt würde ich sagen, starten wir ganz normal, aber eben auf Englisch. Ist für mich auch eine Premiere. Bin gespannt auf euer Feedback. Das geht bitte an podcast@t3n.de. Hätten wir das auch erledigt.

00:00:55.000 --> 00:01:21.000 Stella: Wie kann ein globaler Konzern künstliche Intelligenz erfolgreich einführen? Welche Herausforderungen gibt es, und was sind konkrete Anwendungsbeispiele? Heute teilt Arooj Humayun, Chief Information Officer bei L’Oréal für die DACH-Region, seine Einblicke zu diesem Thema und gibt uns einen Blick hinter die Kulissen.

00:01:21.000 --> 00:01:44.000 Stella: Ich heiße Stella-Sophie Wojtczak und moderiere t3n Arbeit in Progress. Arooj, steigen wir direkt ein. Ich freue mich sehr, dich hier bei t3n Arbeit in Progress zu Gast zu haben. Du hast uns beim diesjährigen Ruhr Summit von einem Drei-Stufen-Plan für die Einführung von KI erzählt. Was sind diese drei Stufen?

00:01:44.000 --> 00:02:55.000 Arooj: Genau. Vielen Dank, Stella, dass ich heute hier sein darf. Bei L’Oréal gibt es tatsächlich drei Stufen, mit denen wir in dieser neuen Ära von generativer KI und KI-Themen vorankommen wollen. Uns war zunächst wichtig, die Beschäftigten nicht einfach mit diesem Thema zu konfrontieren, ohne zu wissen, wohin die Reise geht. Deshalb haben wir als Gruppe beschlossen, Schritt für Schritt vorzugehen. Als Erstes schaffen wir Bewusstsein bei den Beschäftigten. Denn seit drei Jahren kommen viele Fragen auf: Wie sollen wir damit umgehen? Wie nutzen wir es intern? Um diese Fragen anzugehen, haben wir gesagt: Zunächst ist es sehr wichtig, Vertrauen in das aufzubauen, was diese Technologie für die Beschäftigten bewirken kann. Informieren wir unsere Leute also darüber, wie sie ihnen bei der Arbeit helfen könnte – etwa in den kommenden Wochen, Monaten oder sogar Jahren. Wenn alle über unsere Pläne und unsere Roadmap informiert sind, kommt Stufe zwei.

00:02:55.000 --> 00:04:09.000 Arooj: Das bedeutet, Schulungen anzubieten, denn künftig werden sie die Technologie nutzen. Damit sie sie richtig nutzen können, haben wir ein großes Weiterbildungsprogramm gestartet. Und ich freue mich sehr, sagen zu können, dass in einem Unternehmen mit insgesamt 90.000 Beschäftigten bereits 73.000 Menschen entsprechend geschult wurden. Daran sieht man die Motivation, denn niemand wird dazu gezwungen. Die Leute kommen aus Neugier. Auch in der DACH-Region sind wir übrigens sehr gut dabei: 80 Prozent der Beschäftigten werden bereits geschult. Wenn die Kolleginnen und Kollegen informiert und geschult sind, folgt Stufe drei: die Nutzung der verschiedenen Tools, die wir anbieten, wirklich voranzubringen. Intern haben wir unterschiedliche Tools. Eines dient dazu, Prompts einzugeben, vergleichbar mit den GPTs, die man außerhalb des Unternehmens sieht. Wir nennen es L’Oréal GPT. Außerdem bieten wir ein Tool zur Bilderzeugung an. Es heißt CreateTech.

00:04:09.000 --> 00:04:16.000 Stella: Dazu habe ich viele Fragen, aber zuerst brauche ich ein paar Zahlen. Wie viele Beschäftigte habt ihr in der DACH-Region?

00:04:16.000 --> 00:04:19.000 Arooj: In der DACH-Region zählen wir 3.000 Beschäftigte.

00:04:19.000 --> 00:04:23.000 Stella: Und du hast gesagt, bei der ersten Stufe geht es darum, Bewusstsein zu schaffen.

00:04:23.000 --> 00:04:24.000 Arooj: Ja.

00:04:24.000 --> 00:04:28.000 Stella: Habt ihr diese Stufe abgeschlossen, oder müsst ihr bei L’Oréal noch weiter Bewusstsein schaffen?

00:04:28.000 --> 00:05:25.000 Arooj: Das ist eine sehr gute Frage. Diese erste Stufe haben wir bereits letztes Jahr erreicht. Bewusstsein zu schaffen bedeutete, dass ich beauftragt wurde – und diesen Auftrag unseres Landesgeschäftsführers sehr ernst genommen habe –, weil wir über verschiedene Standorte sprechen. Wir sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten, haben aber auch Lagerhäuser. Ich bin an diese verschiedenen Standorte gefahren, habe die Menschen informiert und ihre Fragen beantwortet, denn es gab sehr viele Fragen. Die Idee war vor allem, zunächst Rückmeldungen einzuholen. Als das geschafft war, haben wir gesagt: Gut, jetzt stehen diese globalen Schulungen zur Verfügung. Sie wurden von der Zentrale in Paris bereitgestellt, und wir haben begonnen, sie anzubieten. Wir sind, sagen wir, bereits am Ende von Stufe zwei.

00:05:25.000 --> 00:05:30.000 Stella: Wann genau habt ihr angefangen? Mit der Veröffentlichung von ChatGPT für die Öffentlichkeit?

00:05:30.000 --> 00:06:36.000 Arooj: Ja, ein wenig später. Zunächst haben wir den Trend analysiert. Wir wollten wissen: Ist das im Vergleich zu den üblichen Trends nur ein Hype, oder steckt mehr dahinter? Nehmen wir das Metaversum als Beispiel: Als es aufkam, wurde viel darüber gesprochen. Wir haben damals ebenfalls eine eigene Einheit dafür geschaffen. Heute sprechen ehrlich gesagt nicht mehr so viele Menschen über das Metaversum. Deshalb haben wir uns gefragt, ob sich alles rund um künstliche Intelligenz genauso entwickeln würde. Schließlich haben wir erkannt, dass es nicht nur ein Hype ist. Es wird wirklich Realität. Es durchdringt den Alltag, zu Hause wie im Büro. Als Unternehmen, als Beauty-Tech-Unternehmen, haben wir deshalb gesagt: Wir sollten uns damit befassen und herausfinden, wie unsere Beschäftigten es im Arbeitsalltag nutzen können. Konkret begannen diese Programme und Gespräche vor ungefähr drei Jahren. Und schließlich …

00:06:36.000 --> 00:07:21.000 Arooj: Als CIO und auch in Gesprächen mit der Unternehmensleitung haben wir gesagt: Es gibt nicht viele Möglichkeiten. Entweder wir nutzen intern ChatGPT selbst und probieren es aus, oder wir überlegen, ein eigenes Tool zu entwickeln. Wie eingangs erwähnt, nutzen wir aus bestimmten Gründen unser eigenes L’Oréal GPT. Ich glaube, das war die richtige Entscheidung. Wenn wir heute mit anderen Unternehmen außerhalb von L’Oréal sprechen, fragen sich alle, welche Strategie sie wählen sollen. Ich glaube deshalb, dass wir manchen anderen großen Konzernen sogar ein Stück voraus sind.

00:07:21.000 --> 00:07:36.000 Stella: Aber was war für dich der ausschlaggebende Punkt? Du hast das Metaversum erwähnt und es mit KI verglichen. Was war der Unterschied? Wann war für dich klar: KI ist für L’Oréal als Unternehmen das nächste große Thema?

00:07:36.000 --> 00:08:21.000 Arooj: Man muss sich nur ansehen, wie sehr es zu einem Phänomen wird. Wenn wir ein paar Jahre zurückblicken, als wir über das Metaversum gesprochen haben: Ich glaube, seine Zielgruppe blieb eher begrenzt, ebenso die Zahl der Menschen, die es nutzten. Wenn du mit meinem Vater oder meiner Mutter sprichst, sagt ihnen das Metaversum nichts. Heute dagegen sieht man die Neugier, die KI bei ganz unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen weckt – bei Bürgerinnen und Bürgern oder auch bei Beschäftigten innerhalb eines Unternehmens.

00:08:21.000 --> 00:09:09.000 Arooj: Und zwar unabhängig vom Alter. Meine eigenen Kinder beschäftigen sich bereits mit GPTs und Ähnlichem. Und wenn du heute meinen Vater fragst, weiß sogar er, wie man sie richtig benutzt. Daran erkennt man den Unterschied sofort. Es ist mehr als ein Hype; man sieht auch all die Geschäfte, die dadurch entstehen. Das Metaversum ist dagegen, ehrlich gesagt, zurückgeblieben. Heute hat man noch stärker den Eindruck, dass es auf einen begrenzten Personenkreis beschränkt ist. Hier dagegen kann wohl jeder sagen: Ich habe schon einmal mit einer KI gespielt, sei es ein GPT oder etwas anderes.

00:09:09.000 --> 00:09:17.000 Stella: GPT ist ein gutes Stichwort. Warum habt ihr GPT als Grundlage für L’Oréal GPT gewählt?

00:09:17.000 --> 00:10:20.000 Arooj: Ich würde sagen, aus zwei Hauptgründen. Genau diese Fragen haben wir uns damals gestellt. Wir wollten unseren Beschäftigten Vertrauen geben. Wie gesagt: Vertrauen ist entscheidend, damit die Beschäftigten euren Plan und eure Roadmap mittragen. Das war die erste Stufe. Als ich durch unsere Länder gereist bin, haben mir die Kolleginnen und Kollegen viele Fragen gestellt: Ist es sicher? Sind die Daten geschützt? Bist du sicher, dass das, was ich eingebe, mit niemandem geteilt wird? Diese Fragen kamen bei Mitarbeiterversammlungen und auch in Einzelgesprächen auf. Wenn man die verfügbaren Angebote auflistet – ChatGPT, Gemini und die anderen, Claude, Mistral –, gibt es dabei Einschränkungen.

00:10:20.000 --> 00:10:54.000 Arooj: Gerade hier in Deutschland müssen wir lokale Vorschriften einhalten. Sie sind sehr streng. Deshalb haben wir gesagt: Wir bieten unseren Beschäftigten unser eigenes L’Oréal GPT an. Es läuft bei uns und basiert auf bestehenden großen Sprachmodellen. Wir haben die Sprachmodelle nicht selbst erfunden – so weit sind wir nicht –, aber wir nutzen die vorhandenen und stellen dabei zunächst sicher, dass …

00:10:54.000 --> 00:12:07.000 Arooj: … es hinsichtlich der Cybersicherheit geprüft ist. Wir haben eine Bewertung vorgenommen; dieser Punkt ist also abgehakt. Zweitens wollten wir den Menschen versichern, dass beim Datenschutz nichts L’Oréal verlässt. Wenn man sich beispielsweise für ChatGPT entschieden hätte, würden bei der täglichen Eingabe von Prompts Daten außerhalb Europas geteilt. Das ist für uns ein wichtiger Punkt. Deshalb haben wir eine besondere Vereinbarung getroffen, durch die alles innerhalb von L’Oréal bleibt und für niemanden sonst zugänglich ist. Datenschutz und Sicherheit sind also gewährleistet. Aus diesem Grund haben wir L’Oréal GPT vor zwei Jahren eingeführt. Wir haben gerade seinen zweiten Geburtstag gefeiert. Wie erfolgreich es ist, sehen wir daran, dass unser eigenes GPT täglich 22.000 Nutzerinnen und Nutzer hat. Das ist fantastisch, ein großer Erfolg. Besonders stark ist Deutschland: Bei der Zahl der Nutzer liegt es weltweit an vierter Stelle, nach China, Frankreich und den USA.

00:12:07.000 --> 00:12:19.000 Stella: Aber wie messt ihr das? Du hast mir gesagt, wie viele Beschäftigte es nutzen. Ihr müsst aber auch wissen, was sie damit machen. Wie messt ihr, ob sie damit etwas erfolgreich für L’Oréal umsetzen?

00:12:19.000 --> 00:12:53.000 Arooj: Wir haben einige Kennzahlen, die natürlich anonym bleiben. Ich weiß also nicht, wer genau es nutzt. Aber ich kenne die Zahl der gestellten Fragen und der Prompts. Diese Daten erhalten wir täglich, vollständig anonymisiert. Ich weiß nicht, wer etwas wann getan hat; ich bekomme nur anonym die Zahl der Aufrufe dieser Seite. Daraus kann ich berechnen und abschätzen, wie viele Menschen es nutzen.

00:12:53.000 --> 00:13:05.000 Stella: Siehst du schon Beschäftigte, die – wenn man auf die Stufen deines Plans schaut – beispielsweise Vibe Coding betreiben und eigene Dinge entwickeln? Oder probieren die meisten es eher noch aus?

00:13:05.000 --> 00:14:08.000 Arooj: Wir haben heute verschiedene Gruppen, und das ist sehr interessant. Da sind die Anfängerinnen und Anfänger. Sie nehmen weiterhin sehr gewissenhaft an unseren Schulungen teil. Die bieten wir übrigens regelmäßig an. Den Teams, die sie durchführen, möchte ich ausdrücklich danken: Das kostet natürlich viel Zeit, dient aber einem guten Zweck. Dann gibt es Menschen, die schon weiter sind und das Tool täglich für einfache Aufgaben nutzen. Und schließlich – ich sollte eigentlich von drei Stufen sprechen – überrascht es mich jeden Tag, wie versiert einige unserer Kolleginnen und Kollegen damit umgehen. Manches davon war selbst mir nicht bewusst. Einige, die beispielsweise im Marketing arbeiten, können mithilfe von GPT Skripte erstellen. Das ist sehr beeindruckend. Um auf deine Frage zurückzukommen: Die Nutzung ist sehr unterschiedlich.

00:14:08.000 --> 00:14:11.000 Arooj: Und manche sind wirklich schon sehr weit.

00:14:11.000 --> 00:14:22.000 Stella: Ich brauche noch ein anschaulicheres Beispiel, weil ich von außen darauf schaue. Hast du ein Beispiel?

00:14:22.000 --> 00:15:28.000 Arooj: Ja, wir sehen viele Beispiele. Interessant ist: Jede Woche bekomme ich zehn Anfragen von Beschäftigten, die mich fragen: „Arooj, was hältst du hiervon? Was hältst du davon?“ Es ehrt mich sehr, dass sie bei KI an mich denken und sich an mich wenden. Das ist auch genau richtig so. Wenn ich mir diese Fälle ansehe … Weißt du was? Wir haben inzwischen auch eine Plattform eingerichtet, auf der Beschäftigte ihre Ideen einreichen können. Es gab so viele Fragen, nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern weltweit, dass wir beschlossen haben, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren, wie wir es nennen, besten Prompt einzusenden. Am Monatsende zeichnen wir als Anreiz auch den Prompt des Monats aus. Was die Vielfalt der Menschen und der eingereichten Prompts angeht: Man sieht wirklich alles. Das hat mich selbst zunächst überrascht.

00:15:28.000 --> 00:16:05.000 Arooj: Die Prompts kommen nicht nur von Menschen aus der Technik. Sie kommen aus der Finanzabteilung, aus der Personalabteilung und aus dem Marketing. Das ist sehr beeindruckend. Und zweitens sind manche sehr kreativ. Sie wollen die Technologie nutzen, um sich den Alltag zu erleichtern. Bei einer sich wiederholenden Aufgabe beispielsweise wollen sie nicht einfach eine langweilige manuelle Tätigkeit ohne …

00:16:05.000 --> 00:17:05.000 Arooj: … Mehrwert erledigen. Sie haben die Haltung und die Idee zu sagen: Wenn wir GPT fragen und es uns die Arbeit schneller erledigen lässt, können wir es vielleicht dafür nutzen. Natürlich weisen wir oft auf Halluzinationen und Verzerrungen hin. Das wissen sie alles. Trotzdem sind sie nach mehreren Tests zu dem Schluss gekommen: Ja, es erleichtert mir die Arbeit, also nutze ich es. Beispiele sind wiederkehrende Aufgaben, Zusammenfassungen von E-Mails und von Besprechungen. Das ist für unsere Beschäftigten sehr wichtig. Denn wenn wir unsere jährliche Umfrage durchführen, merken wir, dass viele das Gefühl haben, in Outlook, im Posteingang oder in Besprechungen Zeit zu verlieren. Wie lässt sich das ändern? Indem man der KI einen Teil dieser Aufgaben überträgt und sie Zusammenfassungen oder Maßnahmenpläne aus Besprechungen erstellen lässt. Das hilft wirklich.

00:17:05.000 --> 00:17:17.000 Stella: Gibt es auch etwas Unerwartetes? Ich glaube, viele Menschen nutzen KI für Besprechungen, E-Mails und solche Dinge. Aber habt ihr bei L’Oréal etwas Besonderes?

00:17:17.000 --> 00:18:19.000 Arooj: Ja, auf jeden Fall. L’Oréal ist ein innovatives Unternehmen. In unserer Welt der Schönheit hängen die Themen natürlich auch damit zusammen. Unsere Teams sind sehr kreativ; sie müssen sich ständig Neues einfallen lassen. Ich persönlich glaube, dass der Mehrwert von GPT – in unserem Fall L’Oréal GPT oder auch CreateTech, das ich ebenfalls erwähnen wollte – darin liegt, Anregungen und Ideen zu liefern, wenn man als Mensch nicht weiterweiß oder wenn man prüfen möchte, ob die eigene Idee gut ist. Für Brainstormings ist die Unterstützung durch KI deshalb sehr nützlich: Vielleicht liefert sie eine weitere gute Idee. Ich habe festgestellt, dass das unseren Marketingteams, die viel brainstormen, sehr hilft.

00:18:19.000 --> 00:18:31.000 Stella: Wenn wir schon darüber sprechen: Wie sieht der nächste Schritt aus, also der Einsatz von KI-Agenten? Geht es bei euch derzeit eher um Chatbots, oder kommen schon Agenten?

00:18:31.000 --> 00:18:41.000 Arooj: Wenn wir über Kreativität sprechen: CreateTech kann uns zum Beispiel dabei helfen, unsere …

00:18:41.000 --> 00:20:08.000 Arooj: … Designs und kreativen Entwürfe direkt zu erstellen. Dafür müssen wir nicht unbedingt Zeit mit den Tools verbringen, die wir sonst nutzen würden, etwa Photoshop – besonders wenn man nicht genau weiß, wie sie funktionieren. In CreateTech gibt man einfach seine Idee als Prompt ein, und das Tool erzeugt direkt Bilder. Dieses Bild kann man anschließend sogar einer Agentur zur Überarbeitung geben. Den ersten Schritt, vom leeren Blatt bis zum Entwurf, kann man aber direkt intern erledigen. Das ist ebenfalls sehr nützlich. Ich denke, CreateTech wird künftig ebenso gut von unseren Beschäftigten angenommen werden wie L’Oréal GPT. Doch jetzt beginnt eine neue Ära, in der es nicht nur um Prompts geht. Alle sprechen über Agenten. Auch wir bewegen uns allmählich in diese Richtung. Wir haben eigene Agenten, die wir „Companions“ nennen. Diese werden den Beschäftigten künftig noch stärker helfen, weil sie Aktionen ausführen können. Es geht also nicht mehr nur um eine Antwort auf einen Prompt, sondern um eine Handlung. Wenn ich beispielsweise morgen eine Reise buchen muss – ich fahre morgen nach Genf –, könnte ich L’Oréal GPT direkt bitten, zunächst …

00:20:08.000 --> 00:20:23.000 Arooj: … den Zug und zweitens das Hotel für mich zu buchen. Dann müsste ich nicht auf unsere Buchungsplattform gehen und dort vielleicht eine halbe Stunde verbringen. Darin sehen wir einen wichtigen Helfer für die nahe Zukunft.

00:20:23.000 --> 00:20:35.000 Stella: Nahe Zukunft? Meinst du nächstes Jahr oder in drei Jahren? Wie lange wird es dauern, bis dein Agent beispielsweise Zug und Hotel für dich bucht?

00:20:35.000 --> 00:21:48.000 Arooj: Für mich ist das praktisch morgen. Nicht erst in drei Jahren. Alles entwickelt sich so schnell. Außerhalb unseres Unternehmens sieht man diese rasante Entwicklung. Ein Punkt, bei dem wir meiner Meinung nach noch besser werden könnten, ist die Zeitspanne zwischen der Veröffentlichung neuer Funktionen etwa bei GPT oder Gemini und ihrer Verfügbarkeit in L’Oréal GPT. Diese Lücke entsteht, weil wir die Funktionen testen und auch intern regelkonform machen müssen. Obwohl das Zeit kostet, sieht man, wie schnell sich heute alles entwickelt. Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis beinahe jeden Monat neue Funktionen kommen. Wir rechnen nicht mehr in Jahren, sondern eher in Monaten oder sogar Wochen. In Paris haben wir ein sehr gutes Team, das sogenannte Produktteam. Es arbeitet täglich daran. Seine Roadmap ist äußerst ambitioniert, sehr interessant und anspruchsvoll. Denn wir gehen davon aus, dass wir schon bald ein sehr hohes Niveau erreichen werden …

00:21:48.000 --> 00:21:49.000 Arooj: … im Vergleich zu anderen Unternehmen.

00:21:49.000 --> 00:22:23.000 Stella: Am Ende dieser Folge werfen wir noch einen Blick auf eure Roadmap. Jetzt möchte ich aber etwas anderes fragen. Wir haben über viele positive Dinge gesprochen: eure Programme, die Agenten, die Beispiele. Vielleicht gibt es aber auch Beschäftigte, die KI gegenüber nicht so offen sind, die skeptisch sind oder Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Was sagst du ihnen? Müssen sie Angst haben, ihren Job zu verlieren, wenn sie KI nicht nutzen?

00:22:23.000 --> 00:23:49.000 Arooj: Überhaupt nicht. Aber du hast recht: Bei jeder neuen Veränderung gibt es Menschen, die skeptisch sind oder Fragen haben. Das ist völlig normal. Deshalb wollten wir in der ersten Stufe, als wir die Menschen informiert und für das Thema sensibilisiert haben, ihnen auch Sicherheit geben. Wir haben viele solcher Fragen beantwortet. Unser Hauptziel ist, KI zu einem Hilfsmittel zu machen – gewissermaßen zu einer Unterstützung, die die Fähigkeiten der Beschäftigten erweitert und ihren Alltag verbessert. Es geht nicht darum, sie zu ersetzen. Diese Sorge kam schon früh auf, vor einigen Jahren. Aber wir glauben, dass KI den Menschen bei richtiger Nutzung letztlich einfach im Alltag helfen und Skepsis vielleicht in Optimismus verwandeln wird. Wir zwingen niemanden, sondern zeigen Beispiele. Ich glaube, dass die regelmäßige Teilnahme an unseren Mitarbeiterversammlungen oder Schulungen dabei hilft. Es gibt auch noch ein anderes Format, das ich sehr mag.

00:23:49.000 --> 00:24:59.000 Arooj: Wir haben die „AI Coffee Break“ eingeführt. Dabei sprechen wir in einer kleinen Gruppe ganz ungezwungen miteinander. Wenn jemand noch etwas Angst hat, zeige ich der Person gern, wie ich KI selbst nutze. Ich möchte auch bei den Fragen Sicherheit geben, die sich meist um den Datenschutz drehen. Deshalb zeige ich oft ganz transparent, wie unsere technische Architektur dahinter aussieht. So kann man sehen: Zwischen dir und deinem L’Oréal GPT geht nichts nach außen. Alles bleibt privat. Daran arbeiten wir. Ich bin wirklich optimistisch, dass diejenigen, die es bereits nutzen, den Menschen helfen werden, die sich noch fragen, ob es interessant oder nützlich ist. Wenn du dich schließlich entscheidest, es nicht zu nutzen, ist das natürlich deine Entscheidung. Aber du bist hier, weil wir dich brauchen. Du bist eine gute Kollegin oder ein guter Kollege. Arbeite also bitte weiter. Und wenn du Hilfe brauchst, könnte KI vielleicht ein guter Partner sein.

00:24:59.000 --> 00:25:12.000 Stella: Sind die Beschäftigten verpflichtet, an all diesen Programmen teilzunehmen? Oder ist die AI Coffee Break nur ein Angebot? Man kann teilnehmen, muss aber nicht, und wenn man nicht teilnimmt, hat das keine negativen Folgen?

00:25:12.000 --> 00:25:43.000 Arooj: Weißt du, Stella, wenn du gut damit leben kannst, KI überhaupt nicht zu nutzen, ist das deine Entscheidung. Wir respektieren sie. Und bei unseren Beschäftigten ist es genauso. Wenn du deine tägliche Arbeit ohne KI erledigen kannst, ist das völlig in Ordnung. Sie ist wirklich nur ein Hilfsmittel. Wenn du meinst, deine Arbeit ohne sie erledigen zu können: wunderbar. Wir respektieren diese Entscheidung.

00:25:43.000 --> 00:25:47.000 Stella: Wir kommen allmählich zum Ende des Podcasts. Tut mir leid.

00:25:47.000 --> 00:25:49.000 Arooj: Ziemlich schade. Alles Gute hat ein Ende.

00:25:49.000 --> 00:26:29.000 Stella: Wir haben noch ein paar Minuten. Mich würde deine Einschätzung zu dem interessieren, was gerade passiert. Ich glaube, vor einem Jahr waren viele Menschen von KI und ihren Möglichkeiten begeistert, vor allem von den Produktivitätsgewinnen für Unternehmen. Jetzt sehen wir, dass die Unternehmen nicht mehr ganz so begeistert sind. Vielleicht investieren sie nicht mehr so viel, weil der Einsatz von KI in Unternehmen viel Geld kostet. Wie siehst du das bei L’Oréal? Sagt ihr: Wir treten einen Schritt zurück, weil wir noch keinen wirklich großen Nutzen sehen? Oder seid ihr weiterhin begeistert?

00:26:29.000 --> 00:27:55.000 Arooj: Ich glaube, wir haben vor einigen Jahren sehr vorausschauend gehandelt. Wie du sagst, sind manche Unternehmen sehr schnell vorgeprescht und rudern jetzt zurück. Wir sind immer mit der Haltung herangegangen: Schauen wir erst, was passiert, bevor wir handeln. Wir nehmen uns also stets die Möglichkeit, einen Schritt zurückzutreten. Im Moment tun wir das allerdings nicht. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir sagen können: Unser Ziel ist nicht, etwas aufzuzwingen oder Menschen zu ersetzen. Wir wollen ihnen nützliche Unterstützung bieten. Gleichzeitig gibt es Vorteile, die wir nutzen sollten. Für uns kommt es auf die richtige Balance an – zwischen KI auf voller Geschwindigkeit, halber Geschwindigkeit oder gar nicht. Ich glaube, wir haben derzeit ein gutes Maß gefunden. Wir beobachten, was außerhalb von L’Oréal geschieht, und lernen viel aus den Erfahrungen anderer. Ich hoffe, dass wir mit unserem Vorgehen richtigliegen. Natürlich sind wir sehr vorsichtig. Bei einem Besuch bei uns hast du aber auch gesehen, dass wir nicht nur für unsere Beschäftigten, sondern auch für Verbraucherinnen und Verbraucher interessante Initiativen haben. Wir gehen das in einem guten Tempo an.

00:27:55.000 --> 00:28:04.000 Stella: Wenn du auf den Beginn eurer KI-Aktivitäten zurückblickst: Gibt es etwas, das du aus heutiger Sicht anders machen würdest?

00:28:04.000 --> 00:28:45.000 Arooj: Wenn du mich heute fragst: Ehrlich gesagt hätte ich mir in manchen Fällen gewünscht, Dinge schneller umzusetzen. Ich will Veränderungen ermöglichen und arbeite seit 25 Jahren im Technologiebereich. Wenn etwas Neues kommt, möchte ich es immer als Erster testen. Dir geht es wahrscheinlich ähnlich. Aber als Konzern müssen wir uns Zeit nehmen, Dinge zu analysieren, zu testen und regelkonform zu machen. Das alles kann dauern, und ich stehe voll dahinter. Trotzdem hätten wir in der Vergangenheit manches sicher etwas schneller machen können.

00:28:45.000 --> 00:28:50.000 Stella: Also etwas schneller sein – aber nichts, was du gar nicht noch einmal tun würdest?

00:28:50.000 --> 00:29:16.000 Arooj: Es geht immer um die Entscheidungen, die man trifft und für die man Verantwortung übernehmen muss. Bislang läuft es gut. Wie gesagt, alles, was wir tun, geschieht mit Bedacht. Dabei berücksichtigen wir immer die Rückmeldungen unserer Beschäftigten. Das ist sehr wichtig. Wenn etwas nicht ihren Wünschen entspricht, treten wir einen Schritt zurück und passen es jeweils etwas an.

00:29:16.000 --> 00:29:30.000 Stella: Jetzt möchte ich auf euren Meilensteinplan schauen. Ich weiß: Fünf Jahre sind bei KI derzeit eine sehr lange Zeit. Welche Pläne habt ihr für L’Oréal in den nächsten fünf Jahren?

00:29:30.000 --> 00:30:50.000 Arooj: Fünf Jahre, ja, Stella. In diesem sich so schnell entwickelnden Umfeld ist es schon schwer zu sagen, was in einem Jahr passieren wird. Ich hoffe vor allem, dass wir unseren Beschäftigten weiterhin die bestmögliche Arbeitsumgebung bieten. Denn es geht um sie. Konkret heißt das heute, ihnen Zeit zurückzugeben, damit sie sich auf das konzentrieren können, was in ihrer täglichen Arbeit am wichtigsten ist. Wenn man all die Zeit zusammenzählt, die im Arbeitsalltag für wenig wertvolle Tätigkeiten draufgeht, merkt man: Könnte man diese Aufgaben an etwas, jemanden oder ein Programm delegieren, wäre man am Ende wahrscheinlich produktiver – und vielleicht sogar zufriedener. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns in fünf Jahren wiedersehen und ich sagen könnte, dass wirklich alle KI täglich nutzen und niemand mehr Zeit mit Kleinigkeiten verliert. Stattdessen nutzen sie sie sinnvoll für das, weswegen sie ins Unternehmen gekommen sind: den eigentlichen Zweck ihrer Arbeit.

00:30:50.000 --> 00:31:02.000 Stella: Okay. Fünf Jahre sind ein langer Zeitraum. Sprechen wir über das Jahresende. Gibt es ein Projekt, das ihr jetzt angeht und bis dahin umsetzen möchtet?

00:31:02.000 --> 00:32:06.000 Arooj: Daran arbeiten wir tatsächlich. Das gesamte Technikteam, das Beauty-Tech-Team, arbeitet daran, unseren Beschäftigten nützliche Agenten bereitzustellen. Bis zum Jahresende und in den kommenden Jahren werden wir uns darauf konzentrieren, die Agenten auch mit unseren internen Tools zu verbinden. Denn wir haben Outlook, PowerPoint und zum Beispiel interne Anwendungen wie ein ARP und so weiter. Die Leute fragen uns bereits, ob wir L’Oréal GPT beispielsweise mit dem ARP verbinden können. Gute Frage. Und wir freuen uns, sagen zu können: Ja, aber das braucht Zeit. Insgesamt sieht unsere Roadmap für das kommende Jahr so aus: Wir werden L’Oréal GPT und CreateTech weiterhin um neue Funktionen ergänzen. Und vor allem werden wir sie, wie von den Beschäftigten gewünscht, auch mit unseren internen Tools verbinden.

00:32:06.000 --> 00:32:15.000 Stella: Okay. Gibt es Herausforderungen für die Zukunft, die deiner Meinung nach schon jetzt angegangen werden sollten?

00:32:15.000 --> 00:33:31.000 Arooj: Wenn du nach den Herausforderungen insgesamt fragst: Nachdem wir viel über die Beschäftigten gesprochen haben, ist auch die Frage interessant, wie wir Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen können. Wir arbeiten mit unseren R&I-Teams, also Forschung und Innovation, intensiv daran, sogenannte Beauty-Tech-Geräte anzubieten, mit denen auch sie künstliche Intelligenz sinnvoll nutzen können. Künftig wird man außerdem Anwendungen herunterladen können, die KI enthalten. Wir haben das nicht nur auf der Ruhr 26 gezeigt, sondern vor ein paar Monaten auch auf der VivaTech. Ich sehe das positiv, auch wenn es hier viel Wettbewerb gibt. Es ist gut, im richtigen Tempo voranzugehen und den Endverbraucherinnen und -verbrauchern interessante Möglichkeiten zu bieten, Schönheit und Technologie miteinander zu verbinden.

00:33:31.000 --> 00:33:38.000 Stella: Gibt es für dich persönlich einen Punkt, der dich bei KI derzeit skeptisch macht?

00:33:38.000 --> 00:34:49.000 Arooj: Mich? Grundsätzlich bin ich überhaupt nicht skeptisch. Bei solchen Dingen bin ich immer optimistisch. Wenn wir genauer hinschauen, ist allerdings interessant, wie andere Teile der Welt mit dem Thema umgehen. Schau dir China und Amerika an und die Fälle, mit denen sie konfrontiert sind. Ich bin froh, heute in Europa zu sein, denn wir haben Regeln. Ich fordere nicht mehr Regulierung, sondern kluge Regulierung. Das dürfte den Bürgerinnen und Bürgern Europas Sicherheit geben, weil unsere Politik und unsere Regeln uns recht gut schützen. Auch innerhalb von L’Oréal gibt es ethische Regeln, die einzuhalten sind. Sie sind Teil der Schulung, bevor man diese Tools nutzt; außerdem muss man sich an eine interne Richtlinie halten. Wir müssen uns ständig anpassen und sicherstellen, dass uns neue Entwicklungen nicht überraschen.

00:34:49.000 --> 00:34:54.000 Arooj: Deshalb muss Europa auch bei der Gestaltung kluger Regulierung stark sein.

00:34:54.000 --> 00:35:17.000 Stella: Darüber könnten wir jetzt eine weitere Folge machen, denn ich habe viele Fragen dazu. Aber unsere Zeit läuft ab. Deshalb habe ich noch eine letzte Frage. Ich beende diesen Podcast gern mit einem positiven Ausblick: Was ist für dich persönlich die größte Chance, die KI dir bietet?

00:35:17.000 --> 00:36:41.000 Arooj: Ich sehe viele Chancen, und zwar jeden Tag. Erst diese Woche war ich auf einer Messe und habe all die KI-Roboter gesehen. Das ist sehr beeindruckend. Man sieht, wie neugierig die Menschen sind: Alle stehen um diesen Roboter herum. Ich frage mich, wie hilfreich KI künftig für uns als Einzelpersonen werden kann. Nehmen wir zum Beispiel selbstfahrende Autos. Vielleicht wird es künftig einfach sein, ohne Fahrerin oder Fahrer von A nach B zu kommen. Ich bin auch sehr gespannt darauf, ob wir beispielsweise einen Roboter als Helfer im Haushalt haben können. Warum nicht? Es wird vielleicht wirklich Realität. Wie gesagt, auf der VivaTech sieht man, wie die Menschen so etwas bereits vorstellen. Ist das eine Frage von fünf Jahren? Das glaube ich nicht einmal. Ich denke, es wird schon sehr bald Teil unseres Lebens sein. Darauf müssen wir gut vorbereitet sein. Als Unternehmensgruppe müssen wir unsere Beschäftigten dabei begleiten und unterstützen. Ich persönlich werde immer zu den Ersten gehören, die nützliche Informationen darüber weitergeben – und zwar mit einer positiven Haltung.

00:36:41.000 --> 00:36:53.000 Stella: Arooj, danke, dass du bei t3n Arbeit in Progress dabei warst. Vielleicht sprechen wir nächstes Jahr wieder über KI bei L’Oréal, denn ich glaube, da kommt noch einiges.

00:36:53.000 --> 00:36:55.000 Arooj: Vielen Dank, es war mir eine Freude.

00:36:55.000 --> 00:37:05.000 Stella: Und jetzt müssen wir diesen Podcast beenden. Danke fürs Zuhören – und vielleicht fürs Zuschauen, falls ihr die Videofolge seht. Nächste Woche gibt es eine neue Folge. Bis dann.

Transkript anzeigen

00:00:13: Stella: Einen kurzen Hinweis zum Start dieser besonderen Episode von t3n Arbeit in Progress. Wir haben heute erstmals, es ist wirklich eine Premiere, einen englischsprachigen Gast bei uns im Podcast, nämlich Arooj Humayun, CIO von L’Oréal. Und er gibt uns einen Einblick in die KI-Einführung in dem globalen Unternehmen, wird super spannend. Aber es ist eben was Neues, weil wir werden diesen Podcast komplett auf Englisch machen. Die Übersetzung auf Deutsch findet ihr natürlich im Transkript, also könnt ihr auch gerne nachlesen. Und jetzt würde ich sagen, starten wir ganz normal, aber eben auf Englisch. Ist für mich auch eine Premiere. Bin gespannt auf euer Feedback. Das geht bitte an podcast@t3n.de. Hätten wir das auch erledigt.

00:00:55: Stella: Wie kann ein globaler Konzern künstliche Intelligenz erfolgreich einführen? Welche Herausforderungen gibt es, und was sind konkrete Anwendungsbeispiele? Heute teilt Arooj Humayun, Chief Information Officer bei L’Oréal für die DACH-Region, seine Einblicke zu diesem Thema und gibt uns einen Blick hinter die Kulissen.

00:01:21: Stella: Ich heiße Stella-Sophie Wojtczak und moderiere t3n Arbeit in Progress. Arooj, steigen wir direkt ein. Ich freue mich sehr, dich hier bei t3n Arbeit in Progress zu Gast zu haben. Du hast uns beim diesjährigen Ruhr Summit von einem Drei-Stufen-Plan für die Einführung von KI erzählt. Was sind diese drei Stufen?

00:01:44: Arooj: Genau. Vielen Dank, Stella, dass ich heute hier sein darf. Bei L’Oréal gibt es tatsächlich drei Stufen, mit denen wir in dieser neuen Ära von generativer KI und KI-Themen vorankommen wollen. Uns war zunächst wichtig, die Beschäftigten nicht einfach mit diesem Thema zu konfrontieren, ohne zu wissen, wohin die Reise geht. Deshalb haben wir als Gruppe beschlossen, Schritt für Schritt vorzugehen. Als Erstes schaffen wir Bewusstsein bei den Beschäftigten. Denn seit drei Jahren kommen viele Fragen auf: Wie sollen wir damit umgehen? Wie nutzen wir es intern? Um diese Fragen anzugehen, haben wir gesagt: Zunächst ist es sehr wichtig, Vertrauen in das aufzubauen, was diese Technologie für die Beschäftigten bewirken kann. Informieren wir unsere Leute also darüber, wie sie ihnen bei der Arbeit helfen könnte – etwa in den kommenden Wochen, Monaten oder sogar Jahren. Wenn alle über unsere Pläne und unsere Roadmap informiert sind, kommt Stufe zwei.

00:02:55: Arooj: Das bedeutet, Schulungen anzubieten, denn künftig werden sie die Technologie nutzen. Damit sie sie richtig nutzen können, haben wir ein großes Weiterbildungsprogramm gestartet. Und ich freue mich sehr, sagen zu können, dass in einem Unternehmen mit insgesamt 90.000 Beschäftigten bereits 73.000 Menschen entsprechend geschult wurden. Daran sieht man die Motivation, denn niemand wird dazu gezwungen. Die Leute kommen aus Neugier. Auch in der DACH-Region sind wir übrigens sehr gut dabei: 80 Prozent der Beschäftigten werden bereits geschult. Wenn die Kolleginnen und Kollegen informiert und geschult sind, folgt Stufe drei: die Nutzung der verschiedenen Tools, die wir anbieten, wirklich voranzubringen. Intern haben wir unterschiedliche Tools. Eines dient dazu, Prompts einzugeben, vergleichbar mit den GPTs, die man außerhalb des Unternehmens sieht. Wir nennen es L’Oréal GPT. Außerdem bieten wir ein Tool zur Bilderzeugung an. Es heißt CreateTech.

00:04:09: Stella: Dazu habe ich viele Fragen, aber zuerst brauche ich ein paar Zahlen. Wie viele Beschäftigte habt ihr in der DACH-Region?

00:04:16: Arooj: In der DACH-Region zählen wir 3.000 Beschäftigte.

00:04:19: Stella: Und du hast gesagt, bei der ersten Stufe geht es darum, Bewusstsein zu schaffen.

00:04:23: Arooj: Ja.

00:04:24: Stella: Habt ihr diese Stufe abgeschlossen, oder müsst ihr bei L’Oréal noch weiter Bewusstsein schaffen?

00:04:28: Arooj: Das ist eine sehr gute Frage. Diese erste Stufe haben wir bereits letztes Jahr erreicht. Bewusstsein zu schaffen bedeutete, dass ich beauftragt wurde – und diesen Auftrag unseres Landesgeschäftsführers sehr ernst genommen habe –, weil wir über verschiedene Standorte sprechen. Wir sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten, haben aber auch Lagerhäuser. Ich bin an diese verschiedenen Standorte gefahren, habe die Menschen informiert und ihre Fragen beantwortet, denn es gab sehr viele Fragen. Die Idee war vor allem, zunächst Rückmeldungen einzuholen. Als das geschafft war, haben wir gesagt: Gut, jetzt stehen diese globalen Schulungen zur Verfügung. Sie wurden von der Zentrale in Paris bereitgestellt, und wir haben begonnen, sie anzubieten. Wir sind, sagen wir, bereits am Ende von Stufe zwei.

00:05:25: Stella: Wann genau habt ihr angefangen? Mit der Veröffentlichung von ChatGPT für die Öffentlichkeit?

00:05:30: Arooj: Ja, ein wenig später. Zunächst haben wir den Trend analysiert. Wir wollten wissen: Ist das im Vergleich zu den üblichen Trends nur ein Hype, oder steckt mehr dahinter? Nehmen wir das Metaversum als Beispiel: Als es aufkam, wurde viel darüber gesprochen. Wir haben damals ebenfalls eine eigene Einheit dafür geschaffen. Heute sprechen ehrlich gesagt nicht mehr so viele Menschen über das Metaversum. Deshalb haben wir uns gefragt, ob sich alles rund um künstliche Intelligenz genauso entwickeln würde. Schließlich haben wir erkannt, dass es nicht nur ein Hype ist. Es wird wirklich Realität. Es durchdringt den Alltag, zu Hause wie im Büro. Als Unternehmen, als Beauty-Tech-Unternehmen, haben wir deshalb gesagt: Wir sollten uns damit befassen und herausfinden, wie unsere Beschäftigten es im Arbeitsalltag nutzen können. Konkret begannen diese Programme und Gespräche vor ungefähr drei Jahren. Und schließlich …

00:06:36: Arooj: Als CIO und auch in Gesprächen mit der Unternehmensleitung haben wir gesagt: Es gibt nicht viele Möglichkeiten. Entweder wir nutzen intern ChatGPT selbst und probieren es aus, oder wir überlegen, ein eigenes Tool zu entwickeln. Wie eingangs erwähnt, nutzen wir aus bestimmten Gründen unser eigenes L’Oréal GPT. Ich glaube, das war die richtige Entscheidung. Wenn wir heute mit anderen Unternehmen außerhalb von L’Oréal sprechen, fragen sich alle, welche Strategie sie wählen sollen. Ich glaube deshalb, dass wir manchen anderen großen Konzernen sogar ein Stück voraus sind.

00:07:21: Stella: Aber was war für dich der ausschlaggebende Punkt? Du hast das Metaversum erwähnt und es mit KI verglichen. Was war der Unterschied? Wann war für dich klar: KI ist für L’Oréal als Unternehmen das nächste große Thema?

00:07:36: Arooj: Man muss sich nur ansehen, wie sehr es zu einem Phänomen wird. Wenn wir ein paar Jahre zurückblicken, als wir über das Metaversum gesprochen haben: Ich glaube, seine Zielgruppe blieb eher begrenzt, ebenso die Zahl der Menschen, die es nutzten. Wenn du mit meinem Vater oder meiner Mutter sprichst, sagt ihnen das Metaversum nichts. Heute dagegen sieht man die Neugier, die KI bei ganz unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen weckt – bei Bürgerinnen und Bürgern oder auch bei Beschäftigten innerhalb eines Unternehmens.

00:08:21: Arooj: Und zwar unabhängig vom Alter. Meine eigenen Kinder beschäftigen sich bereits mit GPTs und Ähnlichem. Und wenn du heute meinen Vater fragst, weiß sogar er, wie man sie richtig benutzt. Daran erkennt man den Unterschied sofort. Es ist mehr als ein Hype; man sieht auch all die Geschäfte, die dadurch entstehen. Das Metaversum ist dagegen, ehrlich gesagt, zurückgeblieben. Heute hat man noch stärker den Eindruck, dass es auf einen begrenzten Personenkreis beschränkt ist. Hier dagegen kann wohl jeder sagen: Ich habe schon einmal mit einer KI gespielt, sei es ein GPT oder etwas anderes.

00:09:09: Stella: GPT ist ein gutes Stichwort. Warum habt ihr GPT als Grundlage für L’Oréal GPT gewählt?

00:09:17: Arooj: Ich würde sagen, aus zwei Hauptgründen. Genau diese Fragen haben wir uns damals gestellt. Wir wollten unseren Beschäftigten Vertrauen geben. Wie gesagt: Vertrauen ist entscheidend, damit die Beschäftigten euren Plan und eure Roadmap mittragen. Das war die erste Stufe. Als ich durch unsere Länder gereist bin, haben mir die Kolleginnen und Kollegen viele Fragen gestellt: Ist es sicher? Sind die Daten geschützt? Bist du sicher, dass das, was ich eingebe, mit niemandem geteilt wird? Diese Fragen kamen bei Mitarbeiterversammlungen und auch in Einzelgesprächen auf. Wenn man die verfügbaren Angebote auflistet – ChatGPT, Gemini und die anderen, Claude, Mistral –, gibt es dabei Einschränkungen.

00:10:20: Arooj: Gerade hier in Deutschland müssen wir lokale Vorschriften einhalten. Sie sind sehr streng. Deshalb haben wir gesagt: Wir bieten unseren Beschäftigten unser eigenes L’Oréal GPT an. Es läuft bei uns und basiert auf bestehenden großen Sprachmodellen. Wir haben die Sprachmodelle nicht selbst erfunden – so weit sind wir nicht –, aber wir nutzen die vorhandenen und stellen dabei zunächst sicher, dass …

00:10:54: Arooj: … es hinsichtlich der Cybersicherheit geprüft ist. Wir haben eine Bewertung vorgenommen; dieser Punkt ist also abgehakt. Zweitens wollten wir den Menschen versichern, dass beim Datenschutz nichts L’Oréal verlässt. Wenn man sich beispielsweise für ChatGPT entschieden hätte, würden bei der täglichen Eingabe von Prompts Daten außerhalb Europas geteilt. Das ist für uns ein wichtiger Punkt. Deshalb haben wir eine besondere Vereinbarung getroffen, durch die alles innerhalb von L’Oréal bleibt und für niemanden sonst zugänglich ist. Datenschutz und Sicherheit sind also gewährleistet. Aus diesem Grund haben wir L’Oréal GPT vor zwei Jahren eingeführt. Wir haben gerade seinen zweiten Geburtstag gefeiert. Wie erfolgreich es ist, sehen wir daran, dass unser eigenes GPT täglich 22.000 Nutzerinnen und Nutzer hat. Das ist fantastisch, ein großer Erfolg. Besonders stark ist Deutschland: Bei der Zahl der Nutzer liegt es weltweit an vierter Stelle, nach China, Frankreich und den USA.

00:12:07: Stella: Aber wie messt ihr das? Du hast mir gesagt, wie viele Beschäftigte es nutzen. Ihr müsst aber auch wissen, was sie damit machen. Wie messt ihr, ob sie damit etwas erfolgreich für L’Oréal umsetzen?

00:12:19: Arooj: Wir haben einige Kennzahlen, die natürlich anonym bleiben. Ich weiß also nicht, wer genau es nutzt. Aber ich kenne die Zahl der gestellten Fragen und der Prompts. Diese Daten erhalten wir täglich, vollständig anonymisiert. Ich weiß nicht, wer etwas wann getan hat; ich bekomme nur anonym die Zahl der Aufrufe dieser Seite. Daraus kann ich berechnen und abschätzen, wie viele Menschen es nutzen.

00:12:53: Stella: Siehst du schon Beschäftigte, die – wenn man auf die Stufen deines Plans schaut – beispielsweise Vibe Coding betreiben und eigene Dinge entwickeln? Oder probieren die meisten es eher noch aus?

00:13:05: Arooj: Wir haben heute verschiedene Gruppen, und das ist sehr interessant. Da sind die Anfängerinnen und Anfänger. Sie nehmen weiterhin sehr gewissenhaft an unseren Schulungen teil. Die bieten wir übrigens regelmäßig an. Den Teams, die sie durchführen, möchte ich ausdrücklich danken: Das kostet natürlich viel Zeit, dient aber einem guten Zweck. Dann gibt es Menschen, die schon weiter sind und das Tool täglich für einfache Aufgaben nutzen. Und schließlich – ich sollte eigentlich von drei Stufen sprechen – überrascht es mich jeden Tag, wie versiert einige unserer Kolleginnen und Kollegen damit umgehen. Manches davon war selbst mir nicht bewusst. Einige, die beispielsweise im Marketing arbeiten, können mithilfe von GPT Skripte erstellen. Das ist sehr beeindruckend. Um auf deine Frage zurückzukommen: Die Nutzung ist sehr unterschiedlich.

00:14:08: Arooj: Und manche sind wirklich schon sehr weit.

00:14:11: Stella: Ich brauche noch ein anschaulicheres Beispiel, weil ich von außen darauf schaue. Hast du ein Beispiel?

00:14:22: Arooj: Ja, wir sehen viele Beispiele. Interessant ist: Jede Woche bekomme ich zehn Anfragen von Beschäftigten, die mich fragen: „Arooj, was hältst du hiervon? Was hältst du davon?“ Es ehrt mich sehr, dass sie bei KI an mich denken und sich an mich wenden. Das ist auch genau richtig so. Wenn ich mir diese Fälle ansehe … Weißt du was? Wir haben inzwischen auch eine Plattform eingerichtet, auf der Beschäftigte ihre Ideen einreichen können. Es gab so viele Fragen, nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern weltweit, dass wir beschlossen haben, ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren, wie wir es nennen, besten Prompt einzusenden. Am Monatsende zeichnen wir als Anreiz auch den Prompt des Monats aus. Was die Vielfalt der Menschen und der eingereichten Prompts angeht: Man sieht wirklich alles. Das hat mich selbst zunächst überrascht.

00:15:28: Arooj: Die Prompts kommen nicht nur von Menschen aus der Technik. Sie kommen aus der Finanzabteilung, aus der Personalabteilung und aus dem Marketing. Das ist sehr beeindruckend. Und zweitens sind manche sehr kreativ. Sie wollen die Technologie nutzen, um sich den Alltag zu erleichtern. Bei einer sich wiederholenden Aufgabe beispielsweise wollen sie nicht einfach eine langweilige manuelle Tätigkeit ohne …

00:16:05: Arooj: … Mehrwert erledigen. Sie haben die Haltung und die Idee zu sagen: Wenn wir GPT fragen und es uns die Arbeit schneller erledigen lässt, können wir es vielleicht dafür nutzen. Natürlich weisen wir oft auf Halluzinationen und Verzerrungen hin. Das wissen sie alles. Trotzdem sind sie nach mehreren Tests zu dem Schluss gekommen: Ja, es erleichtert mir die Arbeit, also nutze ich es. Beispiele sind wiederkehrende Aufgaben, Zusammenfassungen von E-Mails und von Besprechungen. Das ist für unsere Beschäftigten sehr wichtig. Denn wenn wir unsere jährliche Umfrage durchführen, merken wir, dass viele das Gefühl haben, in Outlook, im Posteingang oder in Besprechungen Zeit zu verlieren. Wie lässt sich das ändern? Indem man der KI einen Teil dieser Aufgaben überträgt und sie Zusammenfassungen oder Maßnahmenpläne aus Besprechungen erstellen lässt. Das hilft wirklich.

00:17:05: Stella: Gibt es auch etwas Unerwartetes? Ich glaube, viele Menschen nutzen KI für Besprechungen, E-Mails und solche Dinge. Aber habt ihr bei L’Oréal etwas Besonderes?

00:17:17: Arooj: Ja, auf jeden Fall. L’Oréal ist ein innovatives Unternehmen. In unserer Welt der Schönheit hängen die Themen natürlich auch damit zusammen. Unsere Teams sind sehr kreativ; sie müssen sich ständig Neues einfallen lassen. Ich persönlich glaube, dass der Mehrwert von GPT – in unserem Fall L’Oréal GPT oder auch CreateTech, das ich ebenfalls erwähnen wollte – darin liegt, Anregungen und Ideen zu liefern, wenn man als Mensch nicht weiterweiß oder wenn man prüfen möchte, ob die eigene Idee gut ist. Für Brainstormings ist die Unterstützung durch KI deshalb sehr nützlich: Vielleicht liefert sie eine weitere gute Idee. Ich habe festgestellt, dass das unseren Marketingteams, die viel brainstormen, sehr hilft.

00:18:19: Stella: Wenn wir schon darüber sprechen: Wie sieht der nächste Schritt aus, also der Einsatz von KI-Agenten? Geht es bei euch derzeit eher um Chatbots, oder kommen schon Agenten?

00:18:31: Arooj: Wenn wir über Kreativität sprechen: CreateTech kann uns zum Beispiel dabei helfen, unsere …

00:18:41: Arooj: … Designs und kreativen Entwürfe direkt zu erstellen. Dafür müssen wir nicht unbedingt Zeit mit den Tools verbringen, die wir sonst nutzen würden, etwa Photoshop – besonders wenn man nicht genau weiß, wie sie funktionieren. In CreateTech gibt man einfach seine Idee als Prompt ein, und das Tool erzeugt direkt Bilder. Dieses Bild kann man anschließend sogar einer Agentur zur Überarbeitung geben. Den ersten Schritt, vom leeren Blatt bis zum Entwurf, kann man aber direkt intern erledigen. Das ist ebenfalls sehr nützlich. Ich denke, CreateTech wird künftig ebenso gut von unseren Beschäftigten angenommen werden wie L’Oréal GPT. Doch jetzt beginnt eine neue Ära, in der es nicht nur um Prompts geht. Alle sprechen über Agenten. Auch wir bewegen uns allmählich in diese Richtung. Wir haben eigene Agenten, die wir „Companions“ nennen. Diese werden den Beschäftigten künftig noch stärker helfen, weil sie Aktionen ausführen können. Es geht also nicht mehr nur um eine Antwort auf einen Prompt, sondern um eine Handlung. Wenn ich beispielsweise morgen eine Reise buchen muss – ich fahre morgen nach Genf –, könnte ich L’Oréal GPT direkt bitten, zunächst …

00:20:08: Arooj: … den Zug und zweitens das Hotel für mich zu buchen. Dann müsste ich nicht auf unsere Buchungsplattform gehen und dort vielleicht eine halbe Stunde verbringen. Darin sehen wir einen wichtigen Helfer für die nahe Zukunft.

00:20:23: Stella: Nahe Zukunft? Meinst du nächstes Jahr oder in drei Jahren? Wie lange wird es dauern, bis dein Agent beispielsweise Zug und Hotel für dich bucht?

00:20:35: Arooj: Für mich ist das praktisch morgen. Nicht erst in drei Jahren. Alles entwickelt sich so schnell. Außerhalb unseres Unternehmens sieht man diese rasante Entwicklung. Ein Punkt, bei dem wir meiner Meinung nach noch besser werden könnten, ist die Zeitspanne zwischen der Veröffentlichung neuer Funktionen etwa bei GPT oder Gemini und ihrer Verfügbarkeit in L’Oréal GPT. Diese Lücke entsteht, weil wir die Funktionen testen und auch intern regelkonform machen müssen. Obwohl das Zeit kostet, sieht man, wie schnell sich heute alles entwickelt. Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis beinahe jeden Monat neue Funktionen kommen. Wir rechnen nicht mehr in Jahren, sondern eher in Monaten oder sogar Wochen. In Paris haben wir ein sehr gutes Team, das sogenannte Produktteam. Es arbeitet täglich daran. Seine Roadmap ist äußerst ambitioniert, sehr interessant und anspruchsvoll. Denn wir gehen davon aus, dass wir schon bald ein sehr hohes Niveau erreichen werden …

00:21:48: Arooj: … im Vergleich zu anderen Unternehmen.

00:21:49: Stella: Am Ende dieser Folge werfen wir noch einen Blick auf eure Roadmap. Jetzt möchte ich aber etwas anderes fragen. Wir haben über viele positive Dinge gesprochen: eure Programme, die Agenten, die Beispiele. Vielleicht gibt es aber auch Beschäftigte, die KI gegenüber nicht so offen sind, die skeptisch sind oder Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Was sagst du ihnen? Müssen sie Angst haben, ihren Job zu verlieren, wenn sie KI nicht nutzen?

00:22:23: Arooj: Überhaupt nicht. Aber du hast recht: Bei jeder neuen Veränderung gibt es Menschen, die skeptisch sind oder Fragen haben. Das ist völlig normal. Deshalb wollten wir in der ersten Stufe, als wir die Menschen informiert und für das Thema sensibilisiert haben, ihnen auch Sicherheit geben. Wir haben viele solcher Fragen beantwortet. Unser Hauptziel ist, KI zu einem Hilfsmittel zu machen – gewissermaßen zu einer Unterstützung, die die Fähigkeiten der Beschäftigten erweitert und ihren Alltag verbessert. Es geht nicht darum, sie zu ersetzen. Diese Sorge kam schon früh auf, vor einigen Jahren. Aber wir glauben, dass KI den Menschen bei richtiger Nutzung letztlich einfach im Alltag helfen und Skepsis vielleicht in Optimismus verwandeln wird. Wir zwingen niemanden, sondern zeigen Beispiele. Ich glaube, dass die regelmäßige Teilnahme an unseren Mitarbeiterversammlungen oder Schulungen dabei hilft. Es gibt auch noch ein anderes Format, das ich sehr mag.

00:23:49: Arooj: Wir haben die „AI Coffee Break“ eingeführt. Dabei sprechen wir in einer kleinen Gruppe ganz ungezwungen miteinander. Wenn jemand noch etwas Angst hat, zeige ich der Person gern, wie ich KI selbst nutze. Ich möchte auch bei den Fragen Sicherheit geben, die sich meist um den Datenschutz drehen. Deshalb zeige ich oft ganz transparent, wie unsere technische Architektur dahinter aussieht. So kann man sehen: Zwischen dir und deinem L’Oréal GPT geht nichts nach außen. Alles bleibt privat. Daran arbeiten wir. Ich bin wirklich optimistisch, dass diejenigen, die es bereits nutzen, den Menschen helfen werden, die sich noch fragen, ob es interessant oder nützlich ist. Wenn du dich schließlich entscheidest, es nicht zu nutzen, ist das natürlich deine Entscheidung. Aber du bist hier, weil wir dich brauchen. Du bist eine gute Kollegin oder ein guter Kollege. Arbeite also bitte weiter. Und wenn du Hilfe brauchst, könnte KI vielleicht ein guter Partner sein.

00:24:59: Stella: Sind die Beschäftigten verpflichtet, an all diesen Programmen teilzunehmen? Oder ist die AI Coffee Break nur ein Angebot? Man kann teilnehmen, muss aber nicht, und wenn man nicht teilnimmt, hat das keine negativen Folgen?

00:25:12: Arooj: Weißt du, Stella, wenn du gut damit leben kannst, KI überhaupt nicht zu nutzen, ist das deine Entscheidung. Wir respektieren sie. Und bei unseren Beschäftigten ist es genauso. Wenn du deine tägliche Arbeit ohne KI erledigen kannst, ist das völlig in Ordnung. Sie ist wirklich nur ein Hilfsmittel. Wenn du meinst, deine Arbeit ohne sie erledigen zu können: wunderbar. Wir respektieren diese Entscheidung.

00:25:43: Stella: Wir kommen allmählich zum Ende des Podcasts. Tut mir leid.

00:25:47: Arooj: Ziemlich schade. Alles Gute hat ein Ende.

00:25:49: Stella: Wir haben noch ein paar Minuten. Mich würde deine Einschätzung zu dem interessieren, was gerade passiert. Ich glaube, vor einem Jahr waren viele Menschen von KI und ihren Möglichkeiten begeistert, vor allem von den Produktivitätsgewinnen für Unternehmen. Jetzt sehen wir, dass die Unternehmen nicht mehr ganz so begeistert sind. Vielleicht investieren sie nicht mehr so viel, weil der Einsatz von KI in Unternehmen viel Geld kostet. Wie siehst du das bei L’Oréal? Sagt ihr: Wir treten einen Schritt zurück, weil wir noch keinen wirklich großen Nutzen sehen? Oder seid ihr weiterhin begeistert?

00:26:29: Arooj: Ich glaube, wir haben vor einigen Jahren sehr vorausschauend gehandelt. Wie du sagst, sind manche Unternehmen sehr schnell vorgeprescht und rudern jetzt zurück. Wir sind immer mit der Haltung herangegangen: Schauen wir erst, was passiert, bevor wir handeln. Wir nehmen uns also stets die Möglichkeit, einen Schritt zurückzutreten. Im Moment tun wir das allerdings nicht. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir sagen können: Unser Ziel ist nicht, etwas aufzuzwingen oder Menschen zu ersetzen. Wir wollen ihnen nützliche Unterstützung bieten. Gleichzeitig gibt es Vorteile, die wir nutzen sollten. Für uns kommt es auf die richtige Balance an – zwischen KI auf voller Geschwindigkeit, halber Geschwindigkeit oder gar nicht. Ich glaube, wir haben derzeit ein gutes Maß gefunden. Wir beobachten, was außerhalb von L’Oréal geschieht, und lernen viel aus den Erfahrungen anderer. Ich hoffe, dass wir mit unserem Vorgehen richtigliegen. Natürlich sind wir sehr vorsichtig. Bei einem Besuch bei uns hast du aber auch gesehen, dass wir nicht nur für unsere Beschäftigten, sondern auch für Verbraucherinnen und Verbraucher interessante Initiativen haben. Wir gehen das in einem guten Tempo an.

00:27:55: Stella: Wenn du auf den Beginn eurer KI-Aktivitäten zurückblickst: Gibt es etwas, das du aus heutiger Sicht anders machen würdest?

00:28:04: Arooj: Wenn du mich heute fragst: Ehrlich gesagt hätte ich mir in manchen Fällen gewünscht, Dinge schneller umzusetzen. Ich will Veränderungen ermöglichen und arbeite seit 25 Jahren im Technologiebereich. Wenn etwas Neues kommt, möchte ich es immer als Erster testen. Dir geht es wahrscheinlich ähnlich. Aber als Konzern müssen wir uns Zeit nehmen, Dinge zu analysieren, zu testen und regelkonform zu machen. Das alles kann dauern, und ich stehe voll dahinter. Trotzdem hätten wir in der Vergangenheit manches sicher etwas schneller machen können.

00:28:45: Stella: Also etwas schneller sein – aber nichts, was du gar nicht noch einmal tun würdest?

00:28:50: Arooj: Es geht immer um die Entscheidungen, die man trifft und für die man Verantwortung übernehmen muss. Bislang läuft es gut. Wie gesagt, alles, was wir tun, geschieht mit Bedacht. Dabei berücksichtigen wir immer die Rückmeldungen unserer Beschäftigten. Das ist sehr wichtig. Wenn etwas nicht ihren Wünschen entspricht, treten wir einen Schritt zurück und passen es jeweils etwas an.

00:29:16: Stella: Jetzt möchte ich auf euren Meilensteinplan schauen. Ich weiß: Fünf Jahre sind bei KI derzeit eine sehr lange Zeit. Welche Pläne habt ihr für L’Oréal in den nächsten fünf Jahren?

00:29:30: Arooj: Fünf Jahre, ja, Stella. In diesem sich so schnell entwickelnden Umfeld ist es schon schwer zu sagen, was in einem Jahr passieren wird. Ich hoffe vor allem, dass wir unseren Beschäftigten weiterhin die bestmögliche Arbeitsumgebung bieten. Denn es geht um sie. Konkret heißt das heute, ihnen Zeit zurückzugeben, damit sie sich auf das konzentrieren können, was in ihrer täglichen Arbeit am wichtigsten ist. Wenn man all die Zeit zusammenzählt, die im Arbeitsalltag für wenig wertvolle Tätigkeiten draufgeht, merkt man: Könnte man diese Aufgaben an etwas, jemanden oder ein Programm delegieren, wäre man am Ende wahrscheinlich produktiver – und vielleicht sogar zufriedener. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns in fünf Jahren wiedersehen und ich sagen könnte, dass wirklich alle KI täglich nutzen und niemand mehr Zeit mit Kleinigkeiten verliert. Stattdessen nutzen sie sie sinnvoll für das, weswegen sie ins Unternehmen gekommen sind: den eigentlichen Zweck ihrer Arbeit.

00:30:50: Stella: Okay. Fünf Jahre sind ein langer Zeitraum. Sprechen wir über das Jahresende. Gibt es ein Projekt, das ihr jetzt angeht und bis dahin umsetzen möchtet?

00:31:02: Arooj: Daran arbeiten wir tatsächlich. Das gesamte Technikteam, das Beauty-Tech-Team, arbeitet daran, unseren Beschäftigten nützliche Agenten bereitzustellen. Bis zum Jahresende und in den kommenden Jahren werden wir uns darauf konzentrieren, die Agenten auch mit unseren internen Tools zu verbinden. Denn wir haben Outlook, PowerPoint und zum Beispiel interne Anwendungen wie ein ARP und so weiter. Die Leute fragen uns bereits, ob wir L’Oréal GPT beispielsweise mit dem ARP verbinden können. Gute Frage. Und wir freuen uns, sagen zu können: Ja, aber das braucht Zeit. Insgesamt sieht unsere Roadmap für das kommende Jahr so aus: Wir werden L’Oréal GPT und CreateTech weiterhin um neue Funktionen ergänzen. Und vor allem werden wir sie, wie von den Beschäftigten gewünscht, auch mit unseren internen Tools verbinden.

00:32:06: Stella: Okay. Gibt es Herausforderungen für die Zukunft, die deiner Meinung nach schon jetzt angegangen werden sollten?

00:32:15: Arooj: Wenn du nach den Herausforderungen insgesamt fragst: Nachdem wir viel über die Beschäftigten gesprochen haben, ist auch die Frage interessant, wie wir Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen können. Wir arbeiten mit unseren R&I-Teams, also Forschung und Innovation, intensiv daran, sogenannte Beauty-Tech-Geräte anzubieten, mit denen auch sie künstliche Intelligenz sinnvoll nutzen können. Künftig wird man außerdem Anwendungen herunterladen können, die KI enthalten. Wir haben das nicht nur auf der Ruhr 26 gezeigt, sondern vor ein paar Monaten auch auf der VivaTech. Ich sehe das positiv, auch wenn es hier viel Wettbewerb gibt. Es ist gut, im richtigen Tempo voranzugehen und den Endverbraucherinnen und -verbrauchern interessante Möglichkeiten zu bieten, Schönheit und Technologie miteinander zu verbinden.

00:33:31: Stella: Gibt es für dich persönlich einen Punkt, der dich bei KI derzeit skeptisch macht?

00:33:38: Arooj: Mich? Grundsätzlich bin ich überhaupt nicht skeptisch. Bei solchen Dingen bin ich immer optimistisch. Wenn wir genauer hinschauen, ist allerdings interessant, wie andere Teile der Welt mit dem Thema umgehen. Schau dir China und Amerika an und die Fälle, mit denen sie konfrontiert sind. Ich bin froh, heute in Europa zu sein, denn wir haben Regeln. Ich fordere nicht mehr Regulierung, sondern kluge Regulierung. Das dürfte den Bürgerinnen und Bürgern Europas Sicherheit geben, weil unsere Politik und unsere Regeln uns recht gut schützen. Auch innerhalb von L’Oréal gibt es ethische Regeln, die einzuhalten sind. Sie sind Teil der Schulung, bevor man diese Tools nutzt; außerdem muss man sich an eine interne Richtlinie halten. Wir müssen uns ständig anpassen und sicherstellen, dass uns neue Entwicklungen nicht überraschen.

00:34:49: Arooj: Deshalb muss Europa auch bei der Gestaltung kluger Regulierung stark sein.

00:34:54: Stella: Darüber könnten wir jetzt eine weitere Folge machen, denn ich habe viele Fragen dazu. Aber unsere Zeit läuft ab. Deshalb habe ich noch eine letzte Frage. Ich beende diesen Podcast gern mit einem positiven Ausblick: Was ist für dich persönlich die größte Chance, die KI dir bietet?

00:35:17: Arooj: Ich sehe viele Chancen, und zwar jeden Tag. Erst diese Woche war ich auf einer Messe und habe all die KI-Roboter gesehen. Das ist sehr beeindruckend. Man sieht, wie neugierig die Menschen sind: Alle stehen um diesen Roboter herum. Ich frage mich, wie hilfreich KI künftig für uns als Einzelpersonen werden kann. Nehmen wir zum Beispiel selbstfahrende Autos. Vielleicht wird es künftig einfach sein, ohne Fahrerin oder Fahrer von A nach B zu kommen. Ich bin auch sehr gespannt darauf, ob wir beispielsweise einen Roboter als Helfer im Haushalt haben können. Warum nicht? Es wird vielleicht wirklich Realität. Wie gesagt, auf der VivaTech sieht man, wie die Menschen so etwas bereits vorstellen. Ist das eine Frage von fünf Jahren? Das glaube ich nicht einmal. Ich denke, es wird schon sehr bald Teil unseres Lebens sein. Darauf müssen wir gut vorbereitet sein. Als Unternehmensgruppe müssen wir unsere Beschäftigten dabei begleiten und unterstützen. Ich persönlich werde immer zu den Ersten gehören, die nützliche Informationen darüber weitergeben – und zwar mit einer positiven Haltung.

00:36:41: Stella: Arooj, danke, dass du bei t3n Arbeit in Progress dabei warst. Vielleicht sprechen wir nächstes Jahr wieder über KI bei L’Oréal, denn ich glaube, da kommt noch einiges.

00:36:53: Arooj: Vielen Dank, es war mir eine Freude.

00:36:55: Stella: Und jetzt müssen wir diesen Podcast beenden. Danke fürs Zuhören – und vielleicht fürs Zuschauen, falls ihr die Videofolge seht. Nächste Woche gibt es eine neue Folge. Bis dann.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.